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Bella Ciao
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Adrenochrome

USA, 2017

Inhalt laut amazon.de: "Surfen, Frauen und Parties - das ist Venice Beach. Und wo könnte man sich besser ein neues, gutes Leben aufbauen? Der junge Army-Veteran West versucht genau das - ein kompletter Neustart. Nachdem er jedoch während eines Drogentrips einen blutigen Mord beobachtet, wird er immer tiefer in eine brutale Welt aus Gewalt und Verbrechen hineingezogen und kann bald nicht mehr unterscheiden zwischen Wirklichkeit und Phantasie..."

Ein-Mann-Armee Trevor Simms produziert, schauspielert, schreibt das Drehbuch, führt Regie und hat in allen anderen Bereichen des Filmemachens (vom Schnitt bis zu den Special FX) seine Finger im Spiel, nutzt er seinen ersten Spielfilm "Adrenochrome" doch ausgiebig zur Selbstdarstellung. Dreh- und Angelpunkt aller Geschehnisse ist Simms in seiner Hauptrolle als Irakkriegsveteran West, der - nach der Rückkehr aus George W. Bushs unter falschen Angaben und Lügen zustandegekommenem Angriffsfeldzug gegen das Böse in Form von Saddam Hussein (seines Zeichens Diktator ohne Massenvernichtungswaffen) - in Venice Beach, Kalifornien, einen Neuanfang wagt. Beim Versuch etwas Geld aufzutreiben, mischen ihm ein paar knapp beschürzte Strandmädels etwas in den Tee, so dass die Jobsuche zugunsten eines bizarren Drogentrips zurückgestellt werden muss, denn an dessen Ende wird er von der Polizei verhaftet, nachdem er nur mit Müh und Not einer kannibalischen Surfersekte auf der Suche nach dem neuesten Drogenkick entkommen war.
Klingt jetzt schon konfus? Nun - übersichtlicher wird es nicht mehr. Simms hat sich mit Haut und Haaren der trippigen Gegenkultur der späten 60er und frühen 70er verschrieben, schon in den ersten Szenen hat Raoul Duke (aus Hunter S. Thompsons "Fear and Loathing in Las Vegas") einen Gastauftritt, später im Film fällt der Name von Colonel Kurtz, bekannt aus "Apocalypse Now". Man mache jetzt nicht den Fehler und assoziiere mit Gegenkultur den angepassten, milden Quark, welchen Ökofritzen und Friedensbewegte in den Mainstream gespült haben; in "Adrenochrome" geht es um Sex, Drogen und Gewalt, einen Todestrip, nicht darum die Welt oder gar die Menschheit zu retten. Schon bei der Geburt des Regisseurs im Jahr 1987 war der konservative Rollback in den USA so ausgeprägt, dass er selbst im Säuglingsalter die Informationen über die porträtierten Aussteiger nur durch den Gang in Biblio- und Videotheken erhalten hätte. Nachdem die Generation der 68er in den Positionen ihrer Väter und Großväter angekommen war, mühte sie sich um ein bereinigtes Bild der Ereignisse, um ein Vorbild, das die dunklen, bedrohlichen (und damit spannenden) Schwingungen und Verzweigungen innerhalb der Bewegung aussparte. Stellt Robert Habeck von der Partei Die Grünen das eine, furchtbar falsch wirkende Ende dieser Entwicklung dar, sitzt auf der gegenüberliegenden Seite der grinsende Geist Charlie Mansons auf dem Thron, den ihm die kollektive Hysterie errichtete. Trevor Simms Zugang zur psychedelischen Seite von Venice Beach erfolgt in rasanter Motorradfahrt, wehrmachtsbehelmt, über beide Ohren zugedröhnt und bis an die Zähne bewaffnet.
Neben dem US-amerikanischen Originaltitel "Misirlou" verweist auch ein Großteil des Surf-Soundtracks wenig verschämt auf "Pulp Fiction" und das exploitative Zitatkino Quentin Tarantinos. Als Nachgeborener montiert Simms Erzählungen, Bilder und Klänge aus liebgewonnenen Büchern, Filmen und Schallplatten, ausgewählt nach dem Grad ihrer Eindrücklichkeit. Er verbindet altbekannte Sensationen miteinander, um deren Durchschlagskraft noch zu erhöhen. Manchmal gelingt ihm dies, vor allem, wenn er nicht versucht einen Gegenwartsbezug herzustellen (im zeitgenössischen Kino stellt der Krieg im Irak meist nur einen wenig erfreulichen Nam-Abklatsch dar), strahlt die durch Digitalkameras eingefangene Gegenwart doch auch ohne sein Zutun schon heftig auf die Szenen des Films ab. "Adrenochrome" verliert viel von seinem Charme, sobald der Zuschauer die Anwesenheit des Hier-und-Jetzts bemerkt, etwa in innerstädtischen Szenen. Potenziert wird dies durch manche Einstellungen, in denen man stärker erkennen kann, mit welch geringem Budget gearbeitet wurde - oft von einem einzigen Mann: Trevor Simms. Exploitatives Autorenkino im wörtlichsten Sinne, gerade oberhalb der Wahrnehmungsgrenze des Amateurfilms. Sich der Tatsache bewusst, dass ein Film wie "Adrenochrome" in den 80ern und 90ern als VHS-Futter in den Videotheken ohne Kinorelease geendet wäre, sorgte der Regisseur schon während der Dreharbeiten für kleinere Skandälchen um den Film (meist ging es dabei um nicht erteilte Drehgenehmigungen oder zerstörtes Equipment), die genug Aufmerksamkeit für einen internationalen Verleih sicherten - und wieder Trevor Simms in den Mittelpunkt stellten, der die Grenzen zwischen seinem Film und seiner Person absichtlich verwischen will.
Simms inszeniert sich als post-traumatisch belasteten Kriegsveteranen in Rambo-Manier, den Halluzinogenen nicht abgeneigt, mit einem Traum vom Leben am Strand zwischen vollbusigen, willigen Gespielinnen und der Freiheit der Straße. Ziemlich amerikanisch, kein Wunder, destilliert er "Adrenochrome" doch aus unzähligen Episoden der US-Gegenkultur. Das eigentliche Adrenochrom wurde bei Versuchen mit Schizophrenie-Patienten entdeckt und hatte den Ruf von körpereigenem LSD, bis sich die Messreihe als schwer fehlerhaft entpuppte. Nun müsste nur noch jemand den Kannibalen in Simms Film beibiegen, dass sie dem Placebo-Effekt aufgesessen sind... 6,5/10

Trailer



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"Ich korrigiere Brockhaus-Definitionen, das ist immer so schlecht recherchiert, du Hurensohn!" (Danger Dan)
26.10.2018 10:15 Bella Ciao ist offline E-Mail an Bella Ciao senden Beiträge von Bella Ciao suchen Nehmen Sie Bella Ciao in Ihre Freundesliste auf
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26.10.2018 10:25 Bella Ciao ist offline E-Mail an Bella Ciao senden Beiträge von Bella Ciao suchen Nehmen Sie Bella Ciao in Ihre Freundesliste auf
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Hagazussa - Der Hexenfluch

Deutschland/Österreich, 2017

Inhalt laut Indeed Film: "Eine Ziegenhirtin im Alpenraum des 15. Jahrhunderts wird nach dem traumatisierenden Tod ihrer Mutter von einer dunklen Präsenz aus den alten Wäldern heimgesucht. Als im psychotischen Wahn langsam die Grenzen von Realität und Alptraum verschwimmen, wird sie allmählich mit dem Bösen in ihr selbst konfrontiert."

Der geschmolzene Schnee des Winters gibt die Überreste von Albruns Kindheit frei; eine Kindheit, die sie im Schatten ihrer Mutter verbrachte, selbst eine Außenseiterin des dörflichen Lebens in den Alpen. Während die beruhigend weiße Decke der Natur zurückgezogen wird, deren schützende und lärmschluckende Schicht in der Sonne glitzert, entdeckt man Knochen, Schädel und Splitter, die sich zu Mosaiken des Missbrauchs zusammenfügen lassen. Im Kleinen die übergriffigen Handlungen zwischen Mutter und Tochter, das elende Eltern-Kind-Verhältnis seit Anbeginn der Zeit, eine Ebene darüber, im Größer- und Gröberen, die Drohungen der Dorfgemeinschaft gegenüber der Alleinerziehenden und ihrem Nachwuchs.
Lukas Feigelfelds Langfilmdebüt "Hagazussa - Der Hexenfluch" erschien fast zum gleichen Zeitpunkt wie "The VVitch" in der Kinolandschaft, auch wenn er produktionsbedingt länger in der Mache war (mal wieder ging es um das liebe Geld, die vermaledeite Filmförderung in Deutschland und ein Happy End durch Crowdfunding), einen Vergleich wird er sich also mit dem Hexenalbtraum aus Übersee gefallen lassen müssen. Der augenfälligste Unterschied sind die Bemühungen von "The VVitch" den Film übernatürlich aufzulösen, etwas, das Feigelfeld in "Hagazussa" vermeidet: Die außergewöhnlichen psychischen Zustände seiner Hauptfigur sind in der filmischen Wirklichkeit verankert und haben rationale Auslöser. Während die Bilder manchmal aus dem klar gegliederten Korsett der Naturaufnahmen, eingerahmt durch die Alpen, delirierend in Horrorvisionen ausbrechen, bleiben die eigentlichen Vorgänge nachvollziehbar. Der Wahnsinn der Einsamkeit wurzelt in familiärem Übel, bedingt durch die unbarmherzigen Einwirkungen der dörflichen Gemeinschaft, der Gesellschaft. Auf ein verkohltes Skelett reduziert, dreht sich hier alles um die Rolle von alleinerziehenden Außenseitern im Verhältnis zur argwöhnischen Mehrheitsgesellschaft, die ihre Sündenböcke gerne zur Herde vermehren möchte und nach geeigneten Opfern Ausschau hält.
Im zweiten Teil des Films, welcher sich insgesamt streng in die Abschnitte "Schatten", "Horn", "Blut" und "Feuer" einteilt, nimmt Albrun selbst die Mutterrolle ein, ihr wird (wie schon ihrer Mutter) ein Mann verwehrt, das Verhältnis zu den Dörflern mutet immer noch gespannt an, aber es herrscht Tauwetter. Albrun scheint eine Freundin, eine Verbündete zu finden, wäre da nicht dieses aufgesetzte, gezwungene Lächeln gleich den Tränen der Krokodile.
Bis zu diesem Zeitpunkt verlässt sich der Regisseur weitgehend auf die Naturaufnahmen seiner Kamerafrau, zuerst die bergige Schneelandschaft, später der alpine Frühling. Nach und nach schleichen sich beunruhigende Momente ein, der Wald entwickelt ein Eigenleben, er starrt nicht nur zurück, er starrt in die Hauptfigur hinein, womöglich um gedankliche Samen zu pflanzen. Das erinnert manchmal an "Antichrist", Lars von Triers zum Skandal feuilletonisierten Film, verfällt aber nie in dessen Hysterie. Das angemessen träge voranschreitende Tempo verhindert dies. Von den Drone-Klängen der griechischen Gruppe MMMD untermalt, mehren sich nun Eindrücke aus dem Innern der Hauptfigur, in den Wald projiziert und manchmal verstärkt von ihm zurückgeworfen. Den ästhetischen Höhepunkt erreicht "Hagazussa" im Anschluss an einen Pilztrip, wenn sich der Infantizid in einem Tümpel zum Abbild des Kosmos ausweitet. Die Einheit des Scores von MMMD und der Bilder von Mariel Baqueiro wirkt so stark und schlüssig, dass ich mich zumindest im deutschen Film kaum an ähnliche berückende Momente erinnern kann. Diese mehrminütige Sequenz stellt definitiv das Highlight in "Hagazussa" dar und leitet das Finale ein: "Feuer".
Wo die Übermacht des Dorfes stets spürbar bleibt, selbst wenn es kaum abgebildet wird, kann sich der Einzelne auf normalem Weg nicht aus dessen Fesseln befreien. Er muss die Gesetze und Grenzen der Mehrheit übertreten und sich schließlich selbst reinigen. "Hagazussa" kommt also zu einem eher gewöhnlichen Ende, wenn auch in ungewöhnlichen Bildern. Er liefert durch die Symbiose der einfach von "außen" gefilmten Vorgänge mit Darstellungen des Inneren ein Amalgam, das zumindest oberflächlich einleuchtend erklärt, wie der Glaube an Hexen funktionieren kann und welche gesellschaftlichen Umstände ihn entstehen lassen. Der Dämon, der hinter den sicheren Begrenzungen des Dorfes auf die Bewohner wartet (das Wort "Hagazussa" kommt aus dem Althochdeutschen und bezeichnet eine "Zaunreiterin", später wurde daraus "Hexe"), entstammt einfach ihrer eigenen Borniertheit, ihrer beschränkten Sicht auf die Welt, ihrem Hang zum Simplifizieren. Nicht umsonst legt Feigelfeld in seinem fast dialogfreien Film der zwielichtigen Bekannten Albruns die Abscheu gegenüber "Juden und Heiden" in den Mund.
"Hagazussa" bleibt über gut 100 Minuten ein bildgewaltiger, aber stark entschleunigter Maelstrom von Vignetten zur Gewalt der Gesellschaft gegenüber dem Individuum, unterlegt mit einem perfekten Drone-Soundtrack, der die visuellen Eindrücke auf musikalischer Ebene ins Monolithische überhöhen kann. Definitiv ein Film für die große Leinwand, definitiv ein Soundtrack, um ihn mit dem ganzen Körper zu spüren. Definitiv ein Hoffnungsschimmer für den deutschen Film. 8/10

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16.11.2018 09:58 Bella Ciao ist offline E-Mail an Bella Ciao senden Beiträge von Bella Ciao suchen Nehmen Sie Bella Ciao in Ihre Freundesliste auf
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16.11.2018 10:02 Bella Ciao ist offline E-Mail an Bella Ciao senden Beiträge von Bella Ciao suchen Nehmen Sie Bella Ciao in Ihre Freundesliste auf
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Another

USA, 2014

Inhalt laut VideoMarkt: "Am Tage ihres 18. Geburtstages erhält die hübsche Jordyn von ihrer merkwürdigen Tante Ruth nicht nur eine lecker aussehende Geburtstagstorte, sondern auch die Nachricht, dass sie ganz genau so aussieht wie ihre selige Mutter, die just an ihrem 18. Geburtstag das Zeitliche segnete. Danach stößt sich Tantchen ein Tranchiermesser in den Bauch. Fortan wird Jordyn von albtraumhaften Visionen und Tagträumen geplagt, die allesamt darauf hindeuten, dass sie für große, wenn auch nicht unbedingt gute Taten vorbestimmt ist."

Nicht nur die Kreuze, alle Dinge stehen Kopf, wenn man der Zeichnung des Bösen im zeitgenössischen Horrorfilm folgen will und diese mit dem Bild des Guten in der Wirklichkeit abgleicht. Gott hat ein schwerwiegendes Problem mit seinem Bodenpersonal. Waren es in vergangenen Zeiten gierige und größenwahnsinnige Menschenschinder, die im Namen der Weltreligionen Angst und Schrecken schürten, trifft man heutzutage auf Schwächlinge mit automatischen Schusswaffen und Raketenwerfern, die bei allergrößter Anstrengung einige Wolkenkratzer pulverisieren, während sie meist nicht in der Lage sind, den Bauplänen für Bomben zu folgen und deshalb lieber wahllos in Weihnachtsmärkten herumstochern. Auch die Jünger Jesu waren vor allem dumm und gewöhnlich, kein Vergleich zu den Satanssöhnen und -töchtern, die in den Okkultschockern der späten 1960er bis heute ihre Auftritte hatten. Angefangen bei "Rosemary's Baby" über "Das Omen" bis hin zu "Another" weist die Brut des Unaussprechlichen Charisma, Intelligenz, außergewöhnliche Begabung und Bildung auf, die den Witzfiguren mit AK-47 im Dienste des HERRn völlig abgehen.
So verwundert es wenig, wenn Jason Bognacki in seinem Spielfilmdebüt, das auf einem seiner Kurzfilme gleichen Namens beruht, viele der Cadragen mit einem Porträt der auffällig hübschen Hauptdarstellerin Paulie Rojas beginnt und diese dann sukzessive auf durchgestaltete Räume ausweitet, welche den Stilwillen des Giallos atmen und in dessen Tradition einen Spagat zwischen der klassischen Schönheit der Hochkultur und den visuellen Camp-Sensationen des Horrorfilms der 70er und frühen 80er wagen. Sobald die Sicherheitsmarkierung der Rolltreppen mit dem gesetzten Licht und Schuhen und Kleid der Hauptdarstellerin farblich übereinstimmen und bewusst perspektivisch zusammengeführt werden, weiß man um die Präferenzen des Regisseurs, der sich hier als Auteur ebenfalls um Drehbuch, Schnitt und Fotografie kümmert, dazu bedarf es nicht erst der kleinen Danksagung im Abspann an Jess Franco und Dario Argento.
"Another" weist in der Herangehensweise Ähnlichkeiten zu den Filmen von Cattet und Forzani ("Amer", "L'étrange couleur des larmes de ton corps") auf, gibt sich im Ablauf jedoch weniger kryptisch und hilft dem Zuschauer durch einige erklärende Dialoge bei der Orientierung in den Bildwelten. Diese bauen nicht unbedingt aufeinander auf, sondern entspringen einem Potpourri aus filmischen Stilen, die sich von dekorativer Werbung bis hin zum psychedelischen Farbenrausch erstrecken. Ein Nebeneinander der optischen Einfälle des letzten Jahrhunderts, nicht ganz so unverbunden, wie es in manchen Szenen wirken mag. In das Knallige und Farbenfrohe mischen sich bedrohliche Bilder des Mystischen und Okkulten, oft mit Wurzeln in der Natur, etwa die symbolisch eingesetzten Raben und das Ritual in einer Felsenhöhle. Unterschwellig durchziehen christliche Motive den Film, Mönchskutten und Latein künden am Offensichtlichsten davon, auch wenn Regisseur und Schauspieler in Interviews selbst auf die griechische Mythologie verweisen. (So wie Satanisten christliche Symbole umkehren, findet die Geburt der Hauptfigur durch den Mund der Mutter statt. Eine ganz neue Definition von Kopfgeburt und Muttermund.)
Bognacki erfreut sich offensichtlich sehr an einer eklektischen Auswahl von Schönheit, die er auf immer anderen, neu ausgestalteten Wegen mit dem Publikum teilen möchte. Die drei starken weiblichen Charaktere geben dem Leitmotiv einen Drall ins Hexische; die Männerfiguren hingegen bleiben unwichtige Karikaturen, Nebensächlichkeiten in den Kämpfen dieser Welt, zu goofy für eine echte Rolle. Weil Schönheit (ob nun weiblich, natürlich oder gegenständlich) auf Dauer ermüdend wirkt, nutzt er das Böse (und mitunter Hässliche) um die Spannung in "Another" aufrechtzuerhalten. Dies gelingt - bis auf den etwas dialogreicheren Mittelteil, der sich für mein Empfinden schon etwas zu geschwätzig und informativ ausbreitet, vor allem im Vergleich zum Rest des Films, welcher sich bei einer Spielzeit von knappen 80 Minuten noch den Luxus eines fast 10-minütigen Abspanns gönnt. Ganz im Sinne des Regisseurs erhascht man hier aber einen ausführlichen Blick auf eine weitere Stilfacette; man sollte den Abspann also eher als abschließende Szene betrachten, denn als Bilderrahmen für die Credits.
Im Aufeinandertreffen der stark stilisierten Einstellungen und ausgewählter klassischer Musik von Händel, Chopin, Puccini und Beethoven wirkt "Another" wie ein Werbefilm für das Böse: Elegant, verführerisch, sinnlich - mit so beunruhigenden wie transzendenten Momenten des Abgrunds, oft in Zeitlupe, deren ätherischer Effekt die Außerweltlichkeit zu unterstützen weiß.
Alle Dinge stehen Kopf, nicht nur die Kreuze, auch die Sterne und Punkte im Internet: Die lächerlich niedrigen Wertungen von "Another" bei imdb.com oder anderen Filmportalen zeichnen kein vorteilhaftes Bild der Abstimmenden. Apostel der ewig gleichen Erzählweise - möge der HERR ihren lahmen Seelen gnädig sein. 7,5/10

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14.12.2018 14:18 Bella Ciao ist offline E-Mail an Bella Ciao senden Beiträge von Bella Ciao suchen Nehmen Sie Bella Ciao in Ihre Freundesliste auf
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14.12.2018 14:22 Bella Ciao ist offline E-Mail an Bella Ciao senden Beiträge von Bella Ciao suchen Nehmen Sie Bella Ciao in Ihre Freundesliste auf
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31.12.2018 11:28 Bella Ciao ist offline E-Mail an Bella Ciao senden Beiträge von Bella Ciao suchen Nehmen Sie Bella Ciao in Ihre Freundesliste auf
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Anderland - Den bysomme Mannen

Norwegen, 2006

Inhalt laut imdb.com: "In einer seltsamen Stadt, in der alle Einwohner über alle Maßen zufrieden scheinen, betritt ein neuer Mann das gesellschaftliche Parkett und sorgt für Ärger, indem er zu viele Fragen stellt."

Die stets leicht flackernden Züge der Rama-Familie, mit ihrem Stich ins Psychopathische, illustrieren vorbildlich die Gruselkabinette einer heilen Welt, wie sie den Vorstellungen von Werbegrafikern und statistisch abgesicherten Erkenntnissen zur Mehrheitsgesellschaft entsprungen sind. Jens Lien, Regisseur von "Anderland", kitzelt die kafkaesken Schrecken aus den Oberflächen des IKEA-Katalogs und bildet die Wunschvorstellung der Normalos als durchgehend reizloses, aber psychologisch verheerendes Gelingen des Gewöhnlichen ab, nach Abzug aller Eventualitäten, von Spontanem und Unplanbarem.
Der ins Groteske vergrößerte und verlängerte Abschiedskuss in der U-Bahn-Station, zu Beginn des Films, läutet den Selbstmord der Hauptfigur Andreas ein. Nach dem Sprung vor die U-Bahn, erwacht er einige Zeit später (dem glattrasierten Thirtysomething ist ein beeindruckender Vollbart gewachsen) als einziger Passagier eines Reisebusses, der ihn vor einer Tankstelle inmitten einer Wüstenei absetzt. "Velkommen" prangt dort auf einem Banner; man erwartet ihn schon. Kurz das Gefährt gewechselt und nach einigen weiteren Kilometern weist man ihn in sein neues Leben ein: Wohnung, Job, Klamotten - alles liegt an seinem Platz für ihn bereit. Wir wissen nicht aus welcher Art Lebensüberdruss Andreas handelte, er gibt dem Neuanfang jedoch eine Chance, rasiert sich glatt und fügt sich in seinen neuen Job (die Krönung des Mittelmaßes: Buchhaltung in einer Baufirma), nimmt Kontakt zu den Kollegen auf und schließt sich deren Aktivitäten an: Mittagessen, nach Arbeitsschluss ein Barbesuch.
Dort kommen ihm auf dem Herrenklo erste Zweifel: Obwohl er seit Stunden trinkt, wird er nicht betrunken; ein weiterer Gast, von dem nur seine schwarzweißen Schuhe unter einer Toilettentür hervorschauen, beklagt sich über das fade Leben: Nichts schmeckt, nichts macht Spaß. Keine Erregung, keine Sensation - nur die abgesicherte Existenz im ewig gleichen Trott.
Spätestens hier musste ich an die Songzeile "Heaven is a place where nothing ever happens" von den Talking Heads denken. Ist Andreas wirklich im Himmel gelandet? Oder doch in der Hölle, in seiner Eigenschaft als Selbstmörder? Vielleicht befindet er sich auch noch auf dem Weg dorthin: Wie auch immer die fegefeuerartige Etappe heißen mag, er findet bald heraus, dass er sie nicht durch erneuten Suizid verlassen kann. Dies geschieht in einer beindruckend getricksten Sequenz, die das Unter-die-Räder-Kommen schmerzhaft verdeutlicht. Erfreulicherweise hat Regisseur Jens Lien kein Problem mit der Darstellung von blutigen Exzessen, auch wenn er diese humorvoll bis ins Groteske steigert und den restlichen Ton des Filmes eher ruhig (wenn auch paranoid) anlegt.
Die Farben wirken zurückgenommen und weichgezeichnet, fast wie in Watte gepackt, trotzdem lasten die Schatten und drückenden Rahmungen eines Traums auf der Szenerie. Lien verlässt sich nicht auf eine plump invertierte Welt des IKEA-Gefühls, sondern zieht die Merkwürdigkeiten und Depressionen aus den Nischen und Ritzen des weit verbreiteten Einrichtungskatalogs.
Andreas versucht sich als Normalo, geht sogar eine stabile Beziehung ein, die ihm aber schnell vorführt, in eine Falle geraten zu sein, zwischen Menschen, die wenig fühlen und erfahren, dafür umso emsiger vorgegebenen Plänen, Spielregeln und Konventionen folgen. Eine Affaire, eine neue Liebschaft, soll ihn daraus befreien. Anstatt halbwegs glücklich zu werden, muss er die Bindungsunfähig- und extreme Oberflächlichkeit seiner Mitmenschen noch deutlicher als zuvor erkennen.
Grund zur Hoffnung bietet ein kleines Loch in der Wand, versteckt hinter einem Gemälde, das er im Keller des Mannes entdeckt, der ihm in den schwarzweißen Schuhen durch die Klotür die Fadheit seiner Existenz klagte. Aus dem Loch entweichen Melodien und Gerüche, manchmal auch ein Kinderlachen. Beide Männer sitzen oft stundenlang gebannt davor. Bewusst bricht Lien hier den "Einrichtungsstil" und taucht aus perfekt aufgeräumten Bürotürmen und Hochglanzwohnzimmern in ein staubiges Kellerambiente ab, das merkwürdig erleuchtet wie ein in sich geschlossenes Universum wirkt, ein Refugium unter der Erde mit eigenem Sternenhimmel.
Schließlich treibt die Sehnsucht Andreas dazu, das Loch zu vergrößern, einen Durchbruch zu schlagen in diese vermeintlich bessere Welt. Es kommt, wie es kommen muss: Eine normierte Gesellschaft wird immer eine Gesellschaft der Petzen sein, geht es doch um die Versicherung des eigenen Status durch die Anzeige des Außer- und Ungewöhnlichen. Andreas und sein Kumpel werden von den seltsamen grauen Glatzköpfen in Kastenautos verhaftet, die sich schon zuvor um alle Unwägbarkeiten kümmerten, unter anderem auch um Kranke und Verletzte, die schnellstmöglich aus dem öffentlichen Bild entfernt wurden. Während sein Kumpel katzbuckelnd jede Schuld von sich weist und nur zu froh ist, Andreas als eigentlichen Rädelsführer und Anstifter zu denunzieren, bleibt dieser stumm und gerät in die Verbannung; seinen servilen Kumpel lässt man laufen.
Man bringt Andreas schnurstracks zur Tankstelle im Nirgendwo und verfrachtet ihn dort in das Gepäckfach des Busses, mit dem er die Rückreise antritt. Als er sich aus dem Bus befreien kann, bleibt er in einer Eiswüste zurück.
"Anderland" (Originaltitel: "Den bysomme Mannen") gelingt das Kunststück, eine surreale Satire zu sein, die sich der Gesellschaft der Angepassten mit schneidendem Humor nähert, und zugleich eine kleine Sammlung an depressiven Stimmungen aufzufächern, die blitzschnell von zu Boden schmetternden Erkenntnissen in die Höhen neuer Hoffnungen aufsteigen können. Visuell in sich geschlossen, musikalisch treffend untermalt (u.a. mit der Musik Edvard Griegs) und mitfühlend erzählt, schlägt Regisseur Jens Lien einen Bogen von den Gestimmtheiten Kafkas, über den absurden Humor Dupieuxs bis zur lakonischen Lebensbetrachtung der Coen-Brüder. You don't care? Well, I KEA. 8,5/10

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xLaGrandex


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Beiträge: 4.778

Themenstarter Thema begonnen von xLaGrandex
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diese Woche habe ich "Victoria" und "Bad Times at the El Royale" gesehen. würde über beide sagen, daß die sehenswert waren (Ersterer wurde ja sehr via "gimmick" vermarktet, spielte aber im tatsächlich Film für mich gar nicht mehr soo eine große Rolle).

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"In die Fresse rap, jetzt gibts heckmeck / f**k deine Mutter Mucke, das ist die message."
- Haft

www.dieglücklichenarbeitlosen.de
31.01.2019 20:51 xLaGrandex ist offline Beiträge von xLaGrandex suchen Nehmen Sie xLaGrandex in Ihre Freundesliste auf
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Africa Addio

Italien, 1966

Inhalt laut VZM/X-Rated: "Grausames Afrika! Wilderei, politische Missstände, Bürgerkrieg, Rassenhass und Hinrichtungen dominieren das "neue" Afrika während dem Wechsel zur eigenen Regierung nach der britischen Imperialherrschaft. Nachdem sich die Ureinwohner unter Gewalteinwirkung das zurücknehmen, was ihnen angeblich zusteht, versinkt der "schwarze" Kontinent in einem Sumpf voller Terror und Gewalt. Rassismus steht an der Tagesordung, denn der weiße Mann wird als Unterdrücker verkannt und soll nun für seine Schandtaten büßen. Doch auch die Tierwelt ist einigen Veränderungen ausgesetzt: Schwarze Wilderer töten aus Profitgier Unmengen von Nilpferden und aus Freizeit werden unschuldige Elefanten abgeschossen.Außerdem verkauft sich Elfenbein hervorragend auf dem Weltmarkt. So wird einem auch gegen Ende klar, wer das grauenvollste Tier in Afrika ist - der Mensch!"

Eine der ersten öffentlichen anti-rassistischen Aktionen in der noch jungen BRD, zeigte sich in den Protesten von in Deutschland studierenden Afrikanern, zusammen mit dem SDS (Sozialistischer Deutscher Studentenbund), gegen den Film "Africa Addio", der 1967 in die deutschen Lichtspielhäuser kam. Die italienischen Regisseure Gualtiero Jacopetti und Francesco Prosperi hatten im Stil ihres sehr erfolgreichen Vorgängerwerks "Mondo Cane" einen weiteren Mondofilm gedreht, der sich speziell auf den afrikanischen Kontinent fixierte. Die nach eben diesem "Mondo Cane" benannten Filme führten exotische Szenen aus dem Leben fremder Völker auf fernen Kontinenten vor, oftmals sensationsheischend und semi-dokumentarisch, mit dem Fokus auf Sex, Gewalt und Tod. Aus dieser kleinen Welle von exploitativen (Pseudo-)Dokumentationen entwickelte sich später der italienische Kannibalenfilm und Videoreihen wie "Gesichter des Todes", wobei vor allem letztere nur noch den niedersten voyeuristischen Bedürfnissen des Publikums huldigten.
Jacopettis und Prosperis Vision des Mondofilms suhlt sich noch nicht in der niederträchtigen Verwertungslogik der krassen Nachrichtenbilder von Unfällen, Suiziden und Morden, sondern vereinigt Jacopettis vorherige Arbeit als Kriegsberichterstatter mit dem wissenschaftlichen Interesse an Flora und Fauna von Prosperi. Auch die cinematographische Brillanz der Bilder des Kameramanns Antonio Climati hebt "Africa Addio" weit über den Videothekenschmuddel, welcher überwiegend in den 1980ern produziert wurde. Wir erfahren durch ihn Afrika vor allem aus der Totalen, meist aus einem Hubschrauber heraus gefilmt. Climati pflegt eine Vorliebe für Massenszenen: Er nutzt die Weite des Kontinents, die Masse der Menschen und Tiere, um in einer Kombination aus Schönheit und Schrecken, die Leichen und Kadaver in ihrer erstaunlich geometrischen Anordnung mit den Spektakeln der Natur und den Bauwerken der Zivilisation abzugleichen. Die kunstvolle Spielfilmästhetik und die eingängige Filmmusik von Riz Ortolani, der schon an "Mondo Cane" beteiligt war und später den sehr bekannten Soundtrack zu "Cannibal Holocaust" komponieren sollte, verweisen deutlich auf eine Inszenierung der Wirklichkeit, die der gewöhnliche Dokumentarfilm oft zu verschleiern versucht, gerade auch durch bewusst "unprofessionelle" Kameraarbeit, Tonaussetzer, Beleuchtungsprobleme und ähnliche Kniffe. Ironischerweise bleiben Jacopetti und Prosperi "aufrichtiger" in der Wahl ihrer filmischen Mittel als die ehrbaren Kollegen des Dokumentarfilms, die im Mondo nur den schmuddeligen kleinen Bruder sehen, der die Welt nach dem Bauchgefühl des Pöbels inszeniert.
Jacopetti behauptete bis zu seinem Tod, keine der Szenen sei gestellt gewesen, was ihm unter anderem den Vorwurf einbrachte, er habe weiße Söldner bezahlt und betrunken gemacht, um Exekutionen an afrikanischen Soldaten filmen zu können. Vor Gericht konnte er sich dieser Anschuldigungen erwehren, ein negativer Beigeschmack bleibt, sprechen die Bilder von "Africa Addio" doch eine lautere Sprache als Beteuerungen, Eide und Gerichtsurteile. Die Menschen wurden getötet und anstatt zu versuchen ihnen zu helfen, hat Jacopetti vor allem dafür gesorgt, fantastische Einstellungen der Hinrichtung einzufangen. Üblicherweise reden sich Dokumentarfilmer mit einer verschwurbelten Objektivitätspflicht aus Situationen dieser Art heraus, da sie "die Aufgabe haben, die Wirklichkeit abzubilden, anstatt sie zu gestalten", doch selbst der filmische Laie weiß um die Inszenierung und Subjektivität eines jeden auf Zelluloid festgehaltenen Vorgangs. Einem Profi nehme ich diese Blauäugigkeit nicht ab. Ich halte sie für eine Lüge.
Problematisch wird "Africa Addio" vor allem durch sein pro-kolonialistisches Weltbild. Zu Zeiten des Drehs, in der Mitte der 1960er Jahre, erlebten viele afrikanische Völker die Befreiung von der Knute des Kolonialismus: Briten und Franzosen traten den Rückzug an, nachdem sie den Kontinent Jahrhunderte ausgebeutet und ausgeblutet hatten. Das daraufhin entstehende Machtvakuum bereitete den Boden für Kriminalität und Grausamkeiten aller Couleur - und das Voice-Over des Erzählers lässt wenig Zweifel daran, dass dies auf die afrikanische Bevölkerung zurückzuführen ist, die ihren ehemaligen europäischen Herren, die Zucht, Recht und Ordnung aufrecht erhielten, in allen sozialen und politischen Aufgaben hoffungslos unterliegt. Tenor: Weitere Jahrzehnte unter europäischer Herrschaft hätten Afrika blühende Landschaften beschert.
Neben den atemberaubenden Aufnahmen des Naturpanoramas, die meist auf Prosperis Kappe gehen, ergießt sich eine Flut von verstörenden Bürgerkriegsszenen, Hinrichtungen, Aufständen, Massengräbern und Tiertötungen von der Leinwand herab, welche den gesetzlosen Zuständen der jeweiligen Länder Rechnung tragen. Tierfreunde sollten einen Bogen um "Africa Addio" machen, denn wem die aufgeknüpften Affen zu Beginn des Films und kurz darauf die Kühe mit den durchgeschnittenen Hinterläufen noch nicht genug sind, der kommt spätestens mit dem Nilpferdschlachthof, wo nach Quote getötet wird und man Föten aus den trächtigen Kühen herausschneidet, an seine Grenzen. Beeindrucken kann die folgende Einstellung, die unzählige Kieferknochen geschlachteter Flußpferde an den Ufern des Stroms einfängt. Ein gespenstischer Friedhof, von der Kamera be(d)rückend in ein Stilleben übersetzt.
Ich muss zugeben, dass mir der Tier-Snuff näher geht als die Gewalttätigkeiten der Menschen untereinander. In dieser Hinsicht bin ich wohl abgestumpft und bar jeder Hoffnung. Die Konflikte der Menschen im Afrika der 1960er sind auch heute noch die Konflikte der Menschen in Afrika - mehr als 50 Jahre später. Als ein Beispiel dient das Massaker an Arabern in Sansibar, von dem Jacopetti und Prosperi die einzigen bekannten Aufnahmen anfertigten: Massengräber von Menschen in weißen Roben, die wie reglose Gespenster wirken.
Über weite Strecken von "Africa Addio" würde ich den Ton der Darstellung als pro-kolonialistisch bezeichnen, nicht mal als anti-afrikanisch, leider schlägt der Film kurz vor dem Schluss noch ins Rassistische um. Die Szenen in Südafrika verhöhnen das zuvor abgebildete Morden und Schlachten und der Erzähler breitet genüsslich aus, warum Südafrika das "reichste Land der Erde" (war es das damals?) ist: Weil man hier nach europäischem Modell verfährt, unter Anleitung von weißen Menschen (den Buren). Unterlegt mit fetziger Pop-Musik, zu der junge, weiße Damen in Bikinis am Strand tanzen. Grotesk, infam. Der Mund bleibt einem offen stehen.
Ruggero Deodato entwickelte dieses zurückgebliebene Weltbild im Kannibalenschocker "Cannibal Holocaust" weiter. In seinem Abkömmling der Mondofilme wirken Europäer und Amerikaner nicht besser als die "Wilden" - und Filmemacher wie Jacopetti kriegen ebenfalls ihr Fett weg, zeichnet Deodato sie doch als rücksichtslose Manipulatoren. Einen Vorwurf, den sich Jacopetti gefallen lassen muss, immerhin vertraute er für die Arbeit an "Africa Addio" auf die Hilfe des berüchtigten Nazis Kongo-Müller.
Die FSK sah keine Probleme und verteilte eine Freigabe ab 18; VZM/X-Rated nutzt sogar den alten widerwärtigen Klappentext (siehe weiter oben) für die Blu-ray-Neuveröffentlichung des Films, die seit Ende 2018 in jeder Elektronik- und Drogeriekette ausliegt.
Wie stehe ich zu "Africa Addio"? Einem Film, der in seiner Aussage belegbar rassistisch ist, aber voll wunderbar komponierter Bilder und Szenen steckt? Der mir eine Welt vorführt, die mir nicht schmecken mag, aber dies auf eine Art und Weise tut, die mich unmittelbar anspricht? Ich entscheide mich, wie in anderen Fällen, für den Sieg der Ästhetik über die Moral: 7/10.

Trailer



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Francesca

Argentinien/Italien, 2015

Inhalt laut amazon.de: "Ein brutaler Serienmörder treibt sein Unwesen und versetzt die Bewohner einer ganzen Stadt in Angst und Schrecken. Die Polizeibeamten Moretti und Succo versuchen ihm das Handwerk zu legen, doch der Mörder scheint ihnen immer einen Schritt vorauszusein. Die beiden kommen dem Täter erst näher, als sie feststellen, dass die Morde mit dem 15 Jahre zuvor entführten Mädchen Francesca zusammenhängen..."

Die Filmsozialisation der Gebrüder Onetti nahm einen völlig üblichen Verlauf, in dem sie von visionären Meisterwerken wie George A. Romeros "Night of the Living Dead" und Tobe Hoopers "The Texas Chain Saw Massacre" begeistert wurden. Deren Schaffen wirkte lange nach und aus ihm entsprang schließlich der Wunsch, eigene Filme zu drehen. Durch den Einfluss von Nicolas, dem älteren Bruder, der mittlerweile für die Produktion zuständig zeichnet, legte der kreative Part der Beiden, Luciano, sein Augenmerk auf die Gialli der 1970er und 1980er, die abseits des üblichen Kinos eine Möglichkeit Filme zu machen eröffneten, welche nicht streng an erzählerische Abläufe und die Jahrmarktillusionen des Hollywood-Kinos gebunden waren, sondern Raum für Musik, bildende Kunst und Architektur ließen.
Ihre erste gemeinsame Produktion, "Sonno Profondo" aus dem Jahr 2013, manifestierte sich als Giallo, jedoch einer der experimentellen Sorte und eher dem Kunstfilm verpflichtet wie die Arbeiten von Forzani und Cattet ("Amer", "L'étrange couleur des larmes de ton corps", "Laissez bronzer les cadavres"). Für "Francesca" suchten sie eine zugänglichere Form, die durch eine Kriminalgeschichte, wie sie im klassischen Giallo stets vorkommt, erreicht werden soll; hier basierend auf Textfragmenten, welche Dantes "Göttlicher Komödie" entnommen wurden. Der behauptete Kontakt zur Hochkultur im Giallo mag nicht auf den ersten Blick ersichtlich sein, die häufigen Querverweise zu Klassischer Musik und klassischen Texten schält sich bei näherer Beschäftigung mit den wichtigen Vertretern des Genres jedoch schnell heraus. Einer der Reize dieser filmischen Gattung liegt dann auch in der Verquickung von feingeistiger Kunst mit delirierender Blutlust, sowie dem Morbiden und Abseitigen.
Das Sensationelle an "Francesca", der in Argentinien gedreht wurde, zeigt sich in den Sets und der Ausstattung des Films, sowie an den handverlesenen Schauplätzen, die erfolgreich das (filmische) Italien der 1970er simulieren. Kommt man ohne Vorwissen in den Kinosaal und erlebt den blau getünchten Vorspann, mit einer bedrohlichen Unteransicht eines Kirchturms und dem damals üblichen blockdicken Lettering der Beteiligten, angetrieben von dieser speziellen, progressiven Rockmusik, die u.a. Goblin und Fabio Frizzi für die Filme Dario Argentos und Lucio Fulcis komponierten, wähnt man sich in einem vergessenen Beitrag zum Genre. Zu meinem Erstaunen kann dieses Gefühl über die Laufzeit von knapp 80 Minuten konsequent aufrecht erhalten werden: Frisuren, Klamotten, Häuser, Straßen, Möbel, Getränke, Autos, Gebrauchsgegenstände - alles entstammt einer filmischen Realität, die bald ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel trägt. Die Schauspieler agieren innerhalb einer Museumswelt von Relikten, die "Francesca" einen gespenstischen Ton verleiht und wie eine Zeitreise ins Jenseits wirkt. Wo in den klassischen Gialli die Ausstattung auf der Höhe der Zeit und fabrikneu funkelte, verstärkt hier das Ge- und Verbrauchte den verstörenden Ton der Morde.
Außerordentlich effektiv setzt Luciano Onetti auch das Mittel der Überbelichtung ein, das eher in den Filmen Sergio Martinos ("La coda dello scorpione", "Torso", "Tutti i colori del buio") Anwendung findet als z.B. bei Dario Argento, und zusammen mit der auf die Spitze getriebenen Schärfe erreicht der Regisseur und Editor einen authentischen 70er-Look, obwohl "Francesca" komplett digital gedreht wurde. Viele Einstellungen sind als Hommage an bekannte Vertreter des Giallos zu erkennen, auch Bezüge zum eigenen Debüt "Sonno Profondo" streuten die Brüder ein. Im Grunde gelingt den Onettis das, woran Eli Roth ständig scheitert: Einen Film von Fans für Fans des Genres zu drehen - und das auf allerhöchstem Niveau, in der Liga der Vorbilder.
Besonders deutlich kann man dies in dem Zusammenspiel der von Luciano Onetti komponierten Musik und den Schnitten, Kamerafahrten und Farbgebungen ausmachen, die sich auf einen Grundton einigen können, hin und wieder aber auch Ausflüge ins Psychedelische oder stark Stilisierte unternehmen, gipfelnd in den wirkungsvollen Tötungsszenen, die knapp inszeniert werden und so keinen Grund zur Langeweile oder für den Einsatz leicht durchschaubarer Effektarbeiten bieten.
Braucht der gemeine Kinogänger diese hochgradige Retro-Fokussierung auf ein eher unbedeutendes Genre? Natürlich nicht. Dem Kino selbst schadet es nicht, wenn mit Enthusiasmus und Elan alte Baustellen neu eröffnet werden, die freieres Arbeiten und Gestalten versprechen. Vielleicht mag "Francesca" nur "Das Geheimnis der roten Handschuhe" sein, im allerschlimmsten Falle ein genialisches Remake einer Hand voll Filme. Als Fan stört mich das wenig: Hier bin ich zuhause. 7,5/10

Trailer



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True Love Ways

Deutschland, 2014

Inhalt laut amazon.de: "Die von Albträumen geplagte Séverine trennt sich von ihrem Freund, der das nicht so recht akzeptieren will. Tom schmiedet daraufhin einen perfiden Plan. Beide wissen jedoch nicht, dass der Plan bereits vorher existierte und sie Opfer einer brutalen Intrige werden. Auf der Flucht vor einer Snuff-Porn-Bande wird Séverine unfreiwillig von der Gejagten zur Jägerin. In einem blutigen Spiel vermischen sich Realität und Obsession, Gewalt und Erotik zu einem nicht alltäglichen Ende, an dem Séverine eine Entscheidung treffen muss..."

Auf dem durch das Transgressive Kino inspirierten Höhepunkt von "True Love Ways" verliert Tom ganz wörtlich seinen Kopf, gleichwohl er ihm im Laufe der Handlung nicht das erste Mal abhanden kommt. Er bezieht die beunruhigenden Träume seiner Freundin Séverine, gespielt von Anna Hausburg, auf seine Männlichkeit und lässt sich auf einen besonders hirnrissigen Pakt mit dem Teufel ein. Sein von herkömmlichen Rollenbildern geprägtes Verständnis einer Beziehung, befeuert durch ein weit verbreitetes Gemütsgebrechen namens Eifersucht, manövriert ihn in eine Sackgasse, die in den Schatten die mörderischen Konsequenzen bereithält, welche er im Testosteronrausch übersieht.
Der Moment der Entdeckung seiner Enthauptung ist die Verpflanzung des Grand Guignol in die Kulissen des Bauerntheaters, das sich hierzulande Fernsehen schimpft. Bemüht werden Grenzen überschritten, die in internationalen Produktionen schon lange keine Grenzen mehr sind, wenn Séverine den abgetrennten Kopf ihres Freundes französisch küsst, um sich anschließend über ihn zu erbrechen.
Der frankophile Grundton des Films spiegelt sich nicht nur im Namen der Hauptfigur wider, sondern auch in ihrem Aussehen (bis auf die Ponyfransen der Nouvelle Vague nachempfunden) und schlägt sich besonders in Fotografie und Ausstattung nieder, welche beide gierig die Luft des neuen französischen Kinos der frühen 60er Jahre atmen. Es bleibt nicht bei einer ehrfurchtsvollen Kopie. Regisseur Mathieu Seiler kennt sicher Roman Polanskis ins Verdrehte und Finstere weitergesponnene Variante "Repulsion" und bedient sich deren schizoider Doppelbödigkeit; manchmal in klar erkennbaren Zitaten, meist nur als Schwingung innerhalb der Szenerien.
Als Schweizer mag es für ihn Alltag sein, wenn Französisches auf Deutsches trifft, in "True Love Ways" sorgt dieser Umstand jedoch für Misstöne. Während Details wie Smartphones einen Gegenwartsbezug herstellen, scheint ein Großteil der filmischen Welt aus Artefakten der 50er und 60er Jahre zu bestehen. Besonders Fahrzeuge, aber auch Kleidung und ein Rollstuhl entstammen sichtbar (und spürbar) dieser Zeit. Es kollidieren also eine stilisierte, Frankreich-grundierte Vergangenheit, festgehalten in geschickt montiertem und kunstvoll abgelichtetem Schwarz-Weiß, mit den Darstellungen des deutschen Fernsehkrimis. Die Filmographien der beteiligten Schauspieler lassen Schwermut aufkommen, sieht man die undankbaren TV-Jobs, die zum Überleben eines Darstellers in Deutschland an der Tagesordnung sind. Und: Vielleicht kriegt man den Schauspieler aus dem Fernsehen, aber das Fernsehen nie aus dem Schauspieler heraus. Soll heißen: Unter allen Darstellungen flimmert und wölbt sich der Krimi-Ungeist, bereit zum Sprung, um "True Love Ways" zu übernehmen - vor allem in Dialogen wird dies äußerst deutlich. Wenn Tom zu Beginn des Films ein Angebot erhält, das er aufgrund seiner Situation nicht wirklich ablehnen möchte, degradiert der TV-Einfluss diese Ungeheuerlichkeit auf das Intrigenniveau einer Soap. Zu unserem Glück ist Seilers Film wohltuend dialogarm.
Die Betonung der Vergangenheit findet sich auch im augenscheinlichsten Thema des Filmes wieder. Der Mythos "Snuff", vor einigen Jahrzehnten noch das (behauptete) Freizeitvergnügen vom Leben gelangweilter oder perverser Millionäre, blüht auf und entsteht in Manier der alten Schule mit ordentlicher Filmausrüstung, anstatt digitaler Technik, in einem exquisit eingerichteten, herrschaftlichen Haus abseits der Stadt. Nach dem live gestreamten Moscheen-Massaker in Christchurch oder den auf Facebook verbreiteten Enthauptungen des IS und der mexikanischen Drogenkartelle ein Anachronismus und gleichzeitig ein Paradoxon, da eine äußerst artifizielle Darstellung von angeblich realer Gewalt stattfindet (leider in wenig überzeugenden Effektarbeiten), deren Existenz bis heute nicht bewiesen werden konnte.
Am Stärksten wirkt "True Love Ways", wenn er sich auf seine Bilder und den schaurig-schönen Soundtrack (komponiert von Beat Solér und in einer Szene unter Verwendung des Buddy-Holly-Klassikers "True Love Ways") verlässt und die Bewegung der Figuren innerhalb der Kadrierung zum Erliegen kommt, so dass der Zuschauer Zeit hat, sich für die Details der Szene, die Lichtsetzung und die Aufnahmewinkel zu begeistern. Auf fotografischer Ebene spielt "True Love Ways" im Minutentakt unbestreitbare Stärken aus (auch wenn nicht alle Einstellungen gelingen, manches wirkt etwas steril und dennoch filmisch verbraucht), die aber durch Dialoge und Interaktion der Charaktere unterminiert werden. Sobald mehr als zwei Darsteller auf der Leinwand agieren (vor allem, wenn sie sprachlich kommunizieren), ertappe ich mich beim Versuch, um diese "herum" sehen zu wollen. Vielleicht wäre hier ein Bild-für-Bild-Remake mit internationalem Kino-Cast, wie geschehen bei Michael Hanekes "Funny Games", keine schlechte Idee.
Doch auch in der vorliegenden Fassung zeigt sich "True Love Ways" als eigenständiger Dreh von Ideen des fordernden und aufregenden Kinos der Vergangenheit, in den Bildern stilsicher (dank Kameramann Oliver Geissler), in der Musik erhaben. Über darstellerische Schwächen und missglückte transgressive Momente kann man getrost hinwegsehen. 7/10

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Zitat:
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ist das so "Twin Peaks" ähnlich wie der Name vermuten läßt?



ontopic:
"Fantastic Beasts: The Crimes of Grindelwald" daumen runter

und "Lady Bird", welcher mir richtig gut gefallen hat (ist ein coming-of-age Film mit Laurie Metcalf in einer der beiden Hauptrollen).

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Zitat:
Original von xLaGrandex
Zitat:
Original von Bella Ciao
Wayward Pines (Season 1)

ist das so "Twin Peaks" ähnlich wie der Name vermuten läßt?


Auf diese Assoziation bin ich reingefallen. M. Night Shyamalan hat seinen Namen dafür gegeben (und produziert), einige Drehbücher stammen von den Duffer Brothers, die "Stranger Things" und "Hidden" auf dem Kerbholz haben. Total unterdurchschnittliche Serienpampe, die sich überall freimütig bedient und nichts richtig macht. Bestes Beispiel für den Wust an Überflüssigem im Serien-Hype. Frech geklaut, hirnverbrannt zusammengemixt - kein Vergleich zu "Twin Peaks". (Noch dazu kommt, dass es eine FOX-Serie ist, die Dramaturgie also auf die Werbepausen abgestimmt wurde. Trailer.)

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The Rambler

USA, 2013

Inhalt laut amazon.de: "Nach einem langen Gefängnisaufenthalt ist der 'Rambler' wieder in Freiheit. Zuhause erwarten ihn allerdings nur die Überreste seines zerstörten Lebens. Erlösung stellt ein Brief seines Bruders in Aussicht, der ihm auf seiner Farm ein besseres Leben verspricht. Der namenlose Wanderer macht sich auf den Weg, der sich allerdings immer mehr in einen albtraumhaften Horrortrip verwandelt. Schließlich erfährt er, was mit der 'Hölle auf Erden' wirklich gemeint ist."

Die manchmal leiernden, manchmal flimmernden und manchmal sich überlagernden Störungen des Signals einer VHS-Kassette, wenn es nicht gar zu abrupten Totalaussetzern von Bild und Ton kommt, muten ein wenig wie forcierter Retro-Chic an, bevor sich die Ereignisse in "The Rambler" vom staubigen Wüstenstraßensetting emanzipieren und eine charmante Räuberpistole etablieren, wie sie b-filmischer nicht sein könnte: Der slightly mad scientist und seine Mumien-Roadshow stecken in der Beta-Testphase einer Maschine, die Träume sichtbar machen und auf Videokassetten aufzeichnen kann. Dies läuft nicht immer ganz nach Plan, der Strom an Neu-Mumifizierten will nicht abreißen, da die Kopfform der Träumenden oft wenig kompatibel mit der Maschine scheint. Viel wichtiger: Der Zuschauer kann ab diesem Moment vermuten, er betrachte eines der aufgezeichneten Tapes, obwohl das traumkonstituierende Verfremdete und Unbewusste noch zurückhaltend an der Peripherie herumlungert.
Zunächst sieht es nämlich so aus als würde Regisseur Calvin Reeder, der auch das Drehbuch und einige Songs für "The Rambler" basierend auf der Vorlage seines eigenen Kurzfilms gleichen Namens verfasste, eine relative geradlinige Story über einen Ex-Knacki erzählen, den seine vierjährige Haftzeit so weit verändert hat, dass er mit seinen partner- und freundschaftlichen Beziehungen brechen muss, um ein neues Leben anzufangen. Er greift wiederum auf noch ältere Familienbande zurück, die ihm den Neustart in der Ferne ermöglichen sollen.
Der Rambler ist ein wortkarger Mann mit lakonischem Humor, der die Fallstricke des Lebens kennt, sich selbst zu helfen weiß, jedoch niemals ganz in die Niederungen des echten Gesindels herabgestiegen ist, das ihm die erste Etappe seiner Reise vergällen soll. Als er den selbsternannten Wissenschaftler und seine Traummaschine trifft, hat man ihn längst um sein Geld gebracht und krankenhausreif geschlagen. Die Flirts mit einer leichtfüßigen, aber mysteriösen Reiterin hellen den Tag etwas auf, obwohl das erbarmungslos gleißende Licht der Wüstensonne kaum Platz für Schatten lässt. Aus den wenigen dunklen Ecken, die nicht von den Sonnenstrahlen erreicht werden, kriecht eine Finsternis in den Film, die ich als seelisch bezeichnen möchte. Hatte der Rambler zuvor Probleme mit anderen Menschen oder gesellschaftlichen Institutionen, verfolgen ihn nun Erinnerungen und Gedankenbruchstücke, die sich um Schuld und eine ehemalige Beziehung drehen könnten.
Regisseur Calvin Reeder beschränkt sich ab diesem Zeitpunkt darauf, frei zu assoziieren und albtraumhafte Flashbacks in das staubtrockene Roadmovie, welches vollständig in Roswell, New Mexico (ja, genau, dem!) gedreht wurde, einbrechen zu lassen. Die harsche Wirklichkeit der Straße bietet jetzt vielfältigere Ebenen des Schreckens, abseits von Gewalt und Alkohol. Die White-Trash-Körperlichkeit bleibt weiterhin der Ausgangspunkt für schmerzhafte Erfahrungen, potenziert diese jedoch durch seelische Qualen und eine wiederkehrende Reflexion all dieser Vorgänge. Zu diesem Zeitpunkt kann man erahnen, warum auf dem Cover der DVD mit "David Lynch trifft David Cronenberg" geworben wurde, denn so wenig sich "The Rambler" in deren filmischen Universen aufhält, so sehr erinnert manches bei oberflächlicher Betrachtung an "Wild at Heart" oder "Videodrome".
Der offensive, fast schon slapstickartige Humor von Reeders Film fügt sich überraschend gut in die kruden Gedankensplitter, Albträume und Roadmovie-Szenerien ein, auch die teils völlig überraschenden (und recht blutigen) Splattereffekte hätten einem weniger talentierten Regisseur sicher einen Strich durch die Rechnung machen können. Bei allen B-Movie-Zutaten, zuweilen an der Grenze zum Trash, schlingert die Inszenierung nicht und hält ihren atmosphärischen Kurs bis zum Schluss aufrecht, wenn "The Rambler" über einem psychedelisch verhallten Countrysong (dargeboten von Hauptdarsteller Dermot Mulroney) siegreich tänzelnd ins Ziel einläuft. Mögen die Sujets und das Budget aus dem B-Bereich stammen, das minimale Storygerippe die Geschichtenerzähler höhnisch grinsen lassen, so sprechen Fotografie (an der Kamera Dave McFarland, editiert von Buzz Pierce), Soundtrack, Ideen und Ausführung für einen hochwertigen Film, dem man eine mutigere Kinoauswertung gegönnt hätte, auch im Wissen um die haarsträubend niedrige Durchschnittswertung auf imdb.com, die wieder einmal mehr über diese spezielle Internetklientel verrät als über den Film.
Lynch und Cronenberg beiseite, zöge man die einleuchtendere Verbindung sicher zu Richard Stanleys "Dust Devil", der ähnliche Themen in einem ähnlichen Setting verhandelt, auf eine robustere und ausführlichere Weise, die der quecksilbrigen Sprunghaftigkeit von "The Rambler" zuweilen entgegenläuft, beide aber mit Spaß an der Assoziation und dem Reich des Unterbewussten und des Traums.
Eine vollständig ausbuchstabierte Deutung von Calvin Reeders Film mag nur dem Regisseur oder dem Psychoanalysten des Regisseurs gelingen, auf diese bin ich aber überhaupt nicht scharf. Mir reicht der erhaschte Blick auf die inneren Mysterien fremder Köpfe, ohne diese von Naturwissenschaftlern mit dem Skalpell in kleine Stücke schneiden zu lassen. Performatives Kino wie man es sich viel öfter wünscht, garniert mit etwas menschlichem Roadkill und dem Wissen um die Unmöglichkeit von Zufriedenheit und Heimat. 7,5/10

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