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Zum Ende der Seite springen Zuletzt gesehener Film/Serie...?
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xLaGrandex


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Zitat:
Original von Bella Ciao
Kein Grund sich den Abend von Provinzfernsehfürsten und der Journaille verderben zu lassen, denn die Jungs von BILDSTÖRUNG, einem fantastischen Kölner Filmlabel, haben "Laurin" für die Blu-ray-Veröffentlichung in digital restaurierter 2K-Abtastung vom eigentlich verschollen geglaubten Originalnegativ aus der Versenkung geholt.


das ist (gefühlt? vielleicht kommt mir das auch nur so vor, weil ich früher zu klein/nicht interessiert genug gewesen bin) auch etwas, was eine tolle Entwicklung des (ca.) letztens Jahrzehnts war: gibt ja mittlerweile doch einige Kleinstlabels, die liebevolle Wiederveröffentlichungen herausbringen, in etlichen Fällen dann auch, nachdem es vom gleichen Film/der gleichen Serie eine verhunzte VÖ einer größeren Firma gab.

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03.04.2018 12:24 xLaGrandex ist offline Beiträge von xLaGrandex suchen Nehmen Sie xLaGrandex in Ihre Freundesliste auf
Bella Ciao
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Es gibt mittlerweile vor allem ein paar Labels, denen die Filme wichtig sind und die genug Fachwissen vereinen, um diese in großartigen Editionen zu veröffentlichen. Früher hatte man oft den Eindruck, es wird das releast, was die großen Studios und Verleihe übrig ließen - oft in suboptimaler Form, um schnell noch ein paar Mark zu machen. (Noch amateurhafter wurde es, wenn es um indizierte und beschlagnahmte Filme ging. Man kann Labels wie Astro oder Laser Paradise zugute halten, dass sie deutschsprachige Fassungen von Horrorklassikern verfügbar machten - muss man aber nicht.)
Und gerade BILDSTÖRUNG setzen immer neue Maßstäbe: Die Filmauswahl konzentriert sich auf in Deutschland weniger beachtete Perlen, in exquisiter Qualität, mit umfangreichem (und interessantem) Bonusmaterial, in sehr schön gestalteten Verpackungen. Dazu versuchen sie auch immer die Filme wieder ins Kino zu bringen.
Die Qualitätsstandards sind beeindruckend, ich kann jede Veröffentlichung aus der Reihe, ohne mit der Wimper zu zucken, weiterempfehlen. Und deshalb habe ich gerade auch "Comedy/Entertainment" gekauft. daumen hoch

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03.04.2018 13:07 Bella Ciao ist offline E-Mail an Bella Ciao senden Beiträge von Bella Ciao suchen Nehmen Sie Bella Ciao in Ihre Freundesliste auf
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gerade "Baby Driver" gesehen. cool

(vor allem waren viele der action Szenen wirklich super: einerseits hektisch, aber andererseits überwiegend nicht so, daß es so "hektisch" wurde, daß man komplett den Überblick verloren hat)

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Bella Ciao
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Besser als "Free Fire"? (Den ich auch noch sehen muss.)

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07.04.2018 09:48 Bella Ciao ist offline E-Mail an Bella Ciao senden Beiträge von Bella Ciao suchen Nehmen Sie Bella Ciao in Ihre Freundesliste auf
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Der Umleger

USA, 1976

Inhalt laut ofdb.de: "In dem kleinen Städtchen Texarkana geht im Frühjahr 1946 ein geheimnisvoller Killer mit einem Mehlsack über dem Kopf um, der vorzugsweise Frauen angreift und dann brutal erschießt oder mit Stichwaffen ermordet. Die Police Officers Morales (Ben Johnson) und Ramsey (Andrew Prine) setzen alles daran, den Unbekannten zu fassen, bevor weitere Morde geschehen..."

Gemeinhin kann man sich in Horrorfilmkreisen auf Mario Bavas "Reazione a catena" als aus dem Giallo entstandenen Proto-Slasher einigen. Anstoß zu einem der populärsten Filmgenres der frühen 1980er Jahre, so einflussreich, dass Regisseur Sean S. Cunningham eine komplette Todessequenz daraus in seinem Klassiker "Friday the 13th" zitierte. Es ist die Figur des jungen Kevin Bacon, deren Kehle mit einem Pfeil durchbohrt wird und ans Bett gepinnt stirbt; Bild für Bild wie in Bavas knapp zehn Jahre vorher veröffentlichter, blutrünstiger und sehr stylishen Vision des Zehn-Kleine-Negerlein-Prinzips. Die Faktenlage wird unklarer, je näher man sich John Carpenters allgemein als Startschuss des Slasherfilms angesehenen "Halloween" im Jahr 1978 nähert. Stark vereinfacht liegt hier der Ursprung des maskierten Killers, der es vor allem auf Heranwachsende aus den Vor- und Kleinstädten abgesehen hat. Die ganze Wahrheit ist dies indes nicht. Schon Jahre vorher handhabten US-amerikanische und kanadische Filmproduktionen sowohl Sujets als auch Stilmittel des Slashers; etwa in Bob Clarks "Black Christmas" aus dem Jahre 1974, im knallhart-ruralen "Savage Weekend" (erst 1979 veröffentlicht, aber schon 1976 fertiggestellt) oder eben auch in "Der Umleger", dessen knalltütiger deutscher Verleihtitel einen anderen Film vermuten lässt als das englischsprachige Original "The Town That Dreaded Sundown".
Die reale Mordserie um den "Phantom Killer" von Texarkana, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, sorgt für die wahren Begebenheiten der Hintergrundgeschichte, die Charles B. Pierce in seiner 400.000 Dollar teuren Independentproduktion frei ausgestaltet, auch wenn der nüchterne Ton des Voice-Overs einen dokumentarischen Anstrich antäuscht, der in den Tötungsszenen vollkommen gebrochen wird.
So wie Texarkana zwei unabhängige Städte an der Grenze zwischen Texas und Arkansas des gleichen Namens sind, zerfällt auch "Der Umleger" in zwei unterschiedliche Teile. Dort findet man einerseits die beklemmenden, irreal ausgestalteten Streifzüge des Phantoms, roh und brutal, aber visuell ansprechend in Szene gesetzt, andererseits die Polizeiarbeit und das Leben in der Stadt, mehr den gängigen Unterhaltungskonventionen verpflichtet. Auf die verstörenden Morde folgt stets ein komödiantischer Einschub um den Polizeisergeant; gespielt vom Regisseur, der die Gewalt auf recht plumpe Art und Weise konsumierbar machen soll.
Interessant erscheinen mir vor allem die Szenen, welche die Ermordung der Opfer zeigen, im Fan-Jargon "Kills" genannt. Sind diese in frühen Genrebeiträgen wie "Halloween" noch unspektakulär und meist an Hieb- und Stichwaffen gebunden, findet man in "Der Umleger" schon den Einfallsreichtum, der die besseren Werke der Slasher-Welle kennzeichnet. Auch wenn in Pierces Film standardmäßig mit dem Revolver umgelegt wird, verfehlen die Morde nicht ihre Wirkung, erst recht nicht, wenn der Killer sich aus einem Blechblasinstrument und einem Jagdmesser ein sadistisches Spielzeug konstruiert. Zudem trägt er eine Maske, atmet dadurch schwer und bewegt sich ähnlich wie Jason Voorhees in "Friday the 13th, Part II": Zuerst den Kopf, dann den Rest des Körpers. "The Town That Dreaded Sundown" etabliert ikonische Slasherstandards ein halbes Jahrzehnt vor deren endgültiger Popularisierung.
Ebenso lässt der unaufgeklärte Kriminalfall ein für Fortsetzungen offenes Ende zu, wie sie typisch für Slasher scheinen, im Umfeld von True-Crime-Adaptionen hingegen als unbefriedigend gelten. Man denke an die Zodiac-Morde in den 1960er Jahren oder ganz klassisch an die Taten Jack the Rippers, deren Verfilmungen sich oft eines Kniffs bedienen, um dem Publikum einen Täter präsentieren zu können.
"Der Umleger" endet sehr amerikanisch in einer mit Bluthunden geführten Hetzjagd durch die Sümpfe von Arkansas, schwelgt kurzzeitig in Western-Einstellungen, die aus der schönen Zeitlupensequenz der Schießerei kurz zuvor überlappen, welche den Geist von Sam Peckinpahs "The Wild Bunch" atmet, um im finalen Shot eine Pointe in die Dunkelheit des Lichtspielsaals zu entlassen, die wenige Jahre später in Bigas Lunas "Angustia - Im Augenblick der Angst" auf die Spitze getrieben wird: Der Killer steht in der Schlange vor dem Kino an.
Für den gelegentlichen Horrorfilmgenuss mag "The Town That Dreaded Sundown" heute nicht mehr spektakulär genug erscheinen, für jeden Genrefreund und Filminteressierten erweist sich dieser Film aber als wichtiger "missing link" zwischen Mario Bavas Initialisierung und John Carpenters und Sean S. Cunninghams "Vollendung" des Slasher-Films, zumal erst 2015 (aufgrund des Kinostarts eines Remakes) die lange überfälligen DVD- und Blu-ray-Veröffentlichungen in ungekürzter Form erschienen. 7/10

Trailer



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13.04.2018 11:39 Bella Ciao ist offline E-Mail an Bella Ciao senden Beiträge von Bella Ciao suchen Nehmen Sie Bella Ciao in Ihre Freundesliste auf
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Außerdem zwischenzeitlich gesehen:

Beware of Mr. Baker!
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Ein Kind zu töten... [Re-Watch]

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13.04.2018 11:49 Bella Ciao ist offline E-Mail an Bella Ciao senden Beiträge von Bella Ciao suchen Nehmen Sie Bella Ciao in Ihre Freundesliste auf
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Zitat:
Original von Bella Ciao
Dharma & Greg (Season 2)


wie kommts denn dazu?

(nicht mißverstehen, geht mir nur darum, daß sich das meiner Wahrnehmung nach doch schon deutlich von dem unterscheidet, was du sonst ansiehst. wohlgemerkt jetzt mal nur auf Serien ähnlichen Metiers bezogen)

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13.04.2018 20:27 xLaGrandex ist offline Beiträge von xLaGrandex suchen Nehmen Sie xLaGrandex in Ihre Freundesliste auf
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Passt schon, das war ein billiger Lückenbüßer, um die Zeit totzuschlagen, aus dem DVD-Sortiment von kik. Hat mir aber, entgegen meiner Erwartung, ziemlich gut gefallen. Einige gute Gags. Das Spiel mit den Klischees ist sehr charmant, kein Vergleich zu "Two and a Half Men". Schade, dass sie nicht auch noch die anderen Staffeln hatten. ;)

Hast du eigentlich schon "Swiss Army Man" gesehen? big grin

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14.04.2018 10:00 Bella Ciao ist offline E-Mail an Bella Ciao senden Beiträge von Bella Ciao suchen Nehmen Sie Bella Ciao in Ihre Freundesliste auf
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Und erlöse uns nicht von dem Bösen

Frankreich, 1971

Inhalt laut ofdb.de: "Die Klosterschülerinnen Lore (Catherine Wagener) und Anne (Jeanne Goupil) sind beste Freundinnen und verbringen gemeinsam die Sommerferien. Doch Unternehmungen wie Radfahren sind nur auf den ersten Blick die Hauptbeschäftigung der beiden jungen Mädchen. Lore und Anne haben sich dem Teufel verschrieben und setzen nun alles daran, ihr Leben mit möglichst vielen schlechten Taten zu füllen..."

Der erste Tag nach den Sommerferien beginnt in Schulklassen oft mit dem Austausch von Eindrücken der vergangenen freien Tage und Wochen. Vom Lehrer angeleitet, erzählen die Schüler von ihren Reisen mit Familie und Freunden oder berichten von außergewöhnlichen Ereignissen aus Balkonien. Im Falle von Anne und Lore wird nur noch Annes Tagebuch Einblicke in die letzten Sommermonate der beiden Schulfreundinnen geben können. In einem finalen Akt der Selbstbehauptung gegenüber ihrer trostlosen Umwelt, entzünden sie die jungfräulich weißen Kleidchen, die man ihnen angelegt hat, nicht nur, um sich selbst im Feuer zu reinigen, sondern auch, um dem Daseinskerker der Verwachsenen zu entgehen und einen spiritusgetränkten Neustart in die Freiheit zu wagen.
Ein solch radikaler Schritt erwächst aus den Leiden einer christlichen Erziehung in katholischen Einrichtungen, die Regisseur Joël Séria als Heranwachsender erdulden musste, ähnlich wie Österreichs abgründigster Filmemacher Ulrich Seidl. Kein Wunder, dass "Mais ne nous délivrez pas du mal" (Originaltitel) die grausamen und schwachsinnigen Riten des Katholizismus mit Vergnügen durch den Dreck zieht und sich über Priester, Nonnen und weiteres Erfüllungsgesindel des Wortes Gottes lustig macht. Séria hat seinem Vater nie verziehen, dass er seine frühe Jugend in Gefängnissen dieser Art fristen musste, obwohl dieser als Kriegsgefangener nur zu gut wusste, welche lebensmutauslöschende Wirkung eine solche Umgebung begünstigt.
So meint man, in der den Film eröffnenden Einstellung, den alle Sinne vernebelnden Gestank des Weihrauchs in der Nase zu spüren, während die Kamera auf den Behälter des heiligen Krauts zufährt und im Hintergrund bedrohliche Orgelmusik die Demutsklaviatur in Erinnerung ruft, die ein Gottesdienst durch Architektur, Liturgie und Musik so perfide bedient. Er ist der HERR, dein Gott und du sollst keine anderen Götter haben neben ihm.
Anne und Lore zeigen wenig Respekt für den eifersüchtigen Größenwahnsinnigen, dem man prunkvolle Kathedralen baute, sie entfernen sich im Laufe ihrer einsetzenden Pubertät von der Herde, um herauszufinden, warum die Gemeindemitglieder sich den Spaß am Sex verderben lassen und sich grundlos einem Willen unterwerfen, der in seiner machtgeilen Kleingeistigkeit bemerkenswert einfach zu durchschauen ist. Ihre Verweigerungshaltung wird von den Künsten befeuert, besser gesagt durch Werke von Lautréamont ("Die Gesänge des Maldoror") und Baudelaire ("Die Blumen des Bösen"), die in Totalopposition zur Kirche mündet: In einer selbstgestalteten Zeremonie, welche die Schändung von einhundert Hostien beinhaltet, verheiraten sich die Backfische mit Satan. Im weiteren Verlauf nutzen sie ihre knospenden, weiblichen Reize, um den Männern des Dorfes die Köpfe zu verdrehen.
Die Darstellerinnen von Anne (Jeanne Goupil, liiert mit Joël Séria) und Lore (Catherine Wagener) waren zur Zeit des Drehs schon Twens, sehen in "Und erlöse uns nicht von dem Bösen" aber keinen Tag älter als 14 aus, was zur provokanten Atmosphäre des Films beiträgt. Sie bringen die Herren des Dorfes um ihre mühsame Selbstbeherrschung. Eine Maske, die stets fällt und die wertlose Sexualmoral des Christentums enthüllt.
Gleichzeitig präsentiert uns Sérias Film den Sommer zweier Mädchen, deren Freundschaft von einem leichten Machtgefälle bestimmt wird. Anne scheint intelligenter und hemmungsloser als Lore, sie treibt das Duo zu immer weiteren Taten (z.B. der Tötung von Haustieren) an. Dabei behält sie nicht immer den Überblick und die Kontrolle, woraus einige sehr unangenehme Erfahrungen für Lore entstehen, aber auch die wunderbare Ambivalenz des Films: Die Mädchen sind nicht böse und schon gar nicht vom rechten Weg abgekommen, sondern erschließen sich ihre Möglichkeiten abseits ausgetretener Pfade, nicht ohne hin und wieder zu scheitern. Sobald sich die erwachsenen Dorfbewohner der Gewalt bedienen, ihres körperlichen Vorteils, stecken Anne und Lore in Schwierigkeiten.
Neben den Neckereien, der Konfrontation und dem Provokanten entfalten sich hitzeglühende Bilder eines Sommers auf dem Land, die pastoralen Postkartenmotiven entspringen könnten, im Grunde aber auf die Künstlichkeit der Idylle hinweisen. Das christliche Zusammenleben ist eine behauptete Fassade, zwar in Steintafeln gemeißelt, aber doch dem verfälschenden Licht der Erinnerung preisgegeben, die in etwa den Wert einer Ansichtskarte besitzt. Anne und Lore als Lebende unter den auf Erlösung wartenden Toten, die jeden Akt für bare Münze nehmen, wenn er in die richtige Kulisse gestellt wird. Eindrucksvoll geschildert in den Minuten des Finales, wenn die vermeintlich sichere Umgebung einer Schulaufführung den Großteil der Erwachsenen nicht bemerken lässt, was gerade vor ihren Augen geschieht.
Da man 2018 immer noch diskutieren muss, wo die rückständigen Folterknechte des Christentums ihre Hoheitszeichen befestigen dürfen oder nicht, scheint es schon fast normal, dass "Und erlöse uns nicht von dem Bösen" bei seinem Erscheinen in Frankreich wegen blasphemischer Elemente verboten und der Export in andere Länder untersagt wurde. Staatliche Stellen hassen autoritätszersetzende Filme mit Leidenschaft und nehmen nur zu gerne die Komplizenschaft mit faschistoiden Kulten in Kauf, um Hierarchien zu zementieren. Eltern schlafen ruhiger, wenn ihren Kindern mit den Abenteuern von "Bibi und Tina" (auf Amadeus und Sabrina) der Kopf gewaschen wird, um wertvolle Mitglieder der Gemeinschaft zu werden. Ich freue mich hingegen über jeden Film wie diesen oder "Tausendschönchen - Sedmikrásky", der einem wirklich die Wahl lässt, ohne durch die Hintertür eine weitere engstirnige Sicht auf die Welt zu propagieren. 8/10

Trailer



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03.05.2018 12:09 Bella Ciao ist offline E-Mail an Bella Ciao senden Beiträge von Bella Ciao suchen Nehmen Sie Bella Ciao in Ihre Freundesliste auf
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Picking up the Pieces

USA, 1989

Inhalt laut ofdb.de: "In Pittsburgh geht ein geheimnisvoller Prostituiertenkiller um, der seinen Opfern verschiedenste Körperteile entfernt. Zwei etwas derangierte Cops, Joe und Sweeney, machen sich an die Aufklärung, unterstützt von der Tochter eines verschwundenen Kollegen aus Las Vegas der vor Jahren in einem ähnlichen Fall ermittelte. Bei den Leichen gefundene Hieroglyphenprophezeiungen führen ins ägyptische Viertel, wo der Täter tatsächlich Großes vorbereitet..."

Als eine der bemerkenswertesten Fehlentscheidungen der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien stellte sich im Jahr 2004 die Indizierung von "Blood Feast" auf Liste B heraus. Damit war dieser Klassiker zur Begutachtung durch ein Gericht vorgesehen, das über eine mögliche Beschlagnahmung zu bestimmen hatte (und diese auch anordnete). Hier ging es nicht um irgendeinen Horrorfilm, sondern um den Grundstein des Splatterkinos, den Herrschell Gordon Lewis gut 40 Jahre vorher legte. "Blood Feast" birgt in seiner blutrünstigen, humorvollen und günstigen Machart die Blaupause für spätere Filme, die vor allem in den 1980ern als Heimvideo ein sehr großes Publikum finden sollten. Man mag sich gar nicht ausmalen, welche Art besorgter Bürger im zuständigen Gremium hockte und diesem charmanten, aber auch leicht angestaubten Film schwerste Jugendgefährdung attestierte.
"Picking up the Pieces" könnte als Remake von H.G. Lewis Werk durchgehen, die Parallelen in der Geschichte sind sicher kein Zufall. Für den vom Theater stammenden Bühnenbildner Dean Tschetter, dessen erster Ausflug ins Regiefach dies war, ergaben sich durch sein bisheriges Engagement in der Hochkultur einige Schwierigkeiten, das ihm vorgelegte Treatment als Hommage zu erkennen, besaß er doch zu Beginn des Projekts so gut wie keine Genre-Erfahrung. Dementsprechend beeindruckt (um nicht zu sagen schockiert) war er von Filmen wie "The Texas Chainsaw Massacre" und "Evil Dead", die er sich im Rahmen seiner Recherche in Videotheken ausgeliehen hatte. Im Bewusstsein der Cash-In-Motivation der Produzenten setzte er alles daran seine künstlerischen Standards mit der offenherzigen Darstellung von Sex und Gewalt zu vereinen.
Ende der 80er Jahre waren die heftigsten Filme des Horror-/Splatter-Genres schon abgedreht und viele Streifen dieser Art bewegten sich fort von der bloßen Schock- und Ekelwirkung, hin zur Unterhaltung, so dass auch vermehrt komödiantische Elemente eine Rolle zu spielen begannen. Tschetter greift dies in seinem Script auf und schreibt einige nette Gags um die Polizeiarbeit und den Killer, die in ihrer Tonlage manchmal an die zu diesem Zeitpunkt sehr populären "Die nackte Kanone"-Filme anknüpfen, in die eher düstere Geschichte um einen ägyptischen Kult, der aus Menschenopfern das ewige Leben schaffen möchte. Darüber vergisst er jedoch nicht die wichtigen Eckpfeiler des Splatterfilms und geizt ebenfalls nicht mit ausgefallenen und blutigen Morden, die er in eine morbide, leicht sleazige Atmosphäre bettet, welche in den dunklen Bildern des Films ihren Widerhall findet.
Für die Special FX konnte man eine Koryphäe ihres Fachs engagieren: Niemand geringeres als Tom Savini ("Dawn of the Dead", "Maniac", "Friday the 13th") bastelt Latex, Prothesen und Blutpacks zusammen. Leider wurde seine Arbeit vor dem endgültigen Release durch die MPAA (Filmzensurbehörde der USA) beschnitten, die tiefgreifende Kürzungen für ein R-Rating verlangte. Lediglich in Japan findet man heute noch eine besondere Langfassung, welche einige Morde in längeren Einstellungen aufweist; auch der in Deutschland auf DVD veröffentlichte "Director's Cut" fußt auf dem zensierten R-Rating-Material. So ist "Picking up the Pieces" nicht die ursprüngliche Splattergranate, weist aber noch genug blutiges Material auf, um Genre-Fans zu erfreuen. (Mich amüsierte vor allem der Rückbezug auf Abel Ferraras "The Driller Killer", dem von phantasielosen Zuschauern, die auf ihre Realität pochten, die Nutzung einer Bohrmaschine zu Tötungszwecken auf offener Straße, ohne eine einzige Steckdose in Sichtweite, vorgeworfen wurde. Dementsprechend zieht Tschetters Bösewicht einen Handkarren mit Generator hinter sich her. Ein großer Spaß!)
Die Schauspieler fügen sich den überspitzten Charakteren, vor allem die beiden ermittelnden Polizisten, was zu Theatralik und Overacting führt, die einem solchen Unterhaltungsprodukt jedoch angemessen scheinen. Herschell Gordon Lewis selbst nahm die Konstellation zwischen abgebrühtem und dauerkotzendem Cop in seiner Fortsetzung "Blood Feast II: All U Can Eat" wieder auf; eine nette Geste, um die Grenzen zwischen Original und Hommage zu verwischen.
Als Handlanger von kommerziellen Produzenteninteressen wurde schon vielen Regisseuren das Herz gebrochen und auch im Falle von Dean Tschetters erstem Baby sollte es nicht anders laufen: Man fuhrwerkte ihm nicht nur im endgültigen Schnitt dazwischen, er musste auch die Umbenennung des Projekts in "Bloodsucking Pharaohs in Pittsburgh" verkraften, den der Regisseur noch Jahre später als "scheußlichsten Filmtitel aller Zeiten" verschmähte. (Vielleicht tröstet ihn die DVD-Neuauflage unter seinem ursprünglichen Titel "Picking up the Pieces" ein wenig.)
Schließlich kaufte Paramount den Film und veröffentlichte ihn ohne viel Aufhebens auf Video. Über die Jahre sammelte er eine kleine Fangemeinde um sich, die den verschrobenen Charme des Low-Budget-Reißers zu schätzen weiß: Der dreckige, dunkle Look, die blutigen Kills, ein wenig nackte Haut und einige mal mehr, mal minder gelungene Gags sorgen für 90-minütiges Vergnügen. Die Fans jubeln, Erika Mustermann verlässt vorzeitig und würgend den Saal: "Tomato salmon casserole?" 6,5/10

Trailer



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23.05.2018 12:28 Bella Ciao ist offline E-Mail an Bella Ciao senden Beiträge von Bella Ciao suchen Nehmen Sie Bella Ciao in Ihre Freundesliste auf
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Außerdem zwischenzeitlich gesehen:

Zug des Lebens [Re-Watch]
The Sopranos (Season 2)
Curb Your Enthusiasm ( Season 8 )
The Sopranos (Season 3)
A Cure for Wellness
31
Get Out
Los amantes pasajeros
L'étrange couleur des larmes de ton corps [Re-Watch]
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Ein erneuter Versuch meine Lieblingsfilme in Listenform abzubilden:

001. THE HOLY MOUNTAIN (Alejandro Jodorowsky, 1973)
002. SUSPIRIA (Dario Argento, 1977)
003. BEGOTTEN (E. Elias Merhige, 1990)
004. ...E TU VIVRAI NEL TERRORE! L'ALDILÀ (Lucio Fulci, 1981)
005. VIDEODROME (David Cronenberg, 1983)
006. LA SETTA (Michele Soavi, 1991)
007. C'EST ARRIVÉ PRÈS DE CHEZ VOUS (Rémy Belvaux/André Bonzel, 1992)
008. APOCALYPSE NOW REDUX (Francis Ford Coppola, 1979)
009. IN THE MOUTH OF MADNESS (John Carpenter, 1994)
010. SCARFACE (Brian De Palma, 1983)
011. POSSESSION (Andrzej Zulawski, 1981)
012. ERASERHEAD (David Lynch, 1977)
013. FELLINI - SATYRICON (Federico Fellini, 1969)
014. EL TOPO (Alejandro Jodorowsky, 1970)
015. PROFONDO ROSSO (Dario Argento, 1975)
016. ENTER THE VOID (Gaspar Noé, 2009)
017. WEEK END (Jean-Luc Godard, 1967)
018. DELLAMORTE DELLAMORE (Michele Soavi, 1994)
019. THE WICKER MAN (Robin Hardy, 1973)
020. 2001: A SPACE ODYSSEY (Stanley Kubrick, 1968 )
021. OPERA (Dario Argento, 1987)
022. THE EVIL DEAD (Sam Raimi, 1981)
023. A CLOCKWORK ORANGE (Stanley Kubrick, 1971)
024. MANIAC (William Lustig, 1980)
025. SPALOVAC MRTVOL (Juraj Herz, 1969)
026. DELICATESSEN (Marc Caro/Jean-Pierre Jeunet, 1991)
027. THE THING (John Carpenter, 1982)
028. SPIKLENCI SLASTI (Jan Svankmajer, 1996)
029. THE TRIAL (Orson Welles, 1962)
030. THE LOBSTER (Yorgos Lanthimos, 2015)
031. 8 1/2 (Federico Fellini, 1963)
032. PUNISHMENT PARK (Peter Watkins, 1971)
033. KYNODONTAS (Yorgos Lanthimos, 2009)
034. RÉALITÉ (Quentin Dupieux, 2014)
035. ZABRISKIE POINT (Michelangelo Antonioni, 1970)
036. SEDMIKRÁSKY (Vera Chytilová, 1966)
037. EL ÁNGEL EXTERMINADOR (Luis Bunuel, 1962)
038. NIGHT OF THE LIVING DEAD (George A. Romero, 1968 )
039. CANNIBAL HOLOCAUST (Ruggero Deodato, 1980)
040. UN CHIEN ANDALOU (Luis Bunuel, 1929)
041. LA CITTÀ DELLE DONNE (Federico Fellini, 1980)
042. THE TEXAS CHAIN SAW MASSACRE (Tobe Hooper, 1974)
043. TRAS EL CRISTAL (Agustí Villaronga, 1986)
044. TYSTNADEN (Ingmar Bergman, 1963)
045. A WOMAN UNDER THE INFLUENCE (John Cassavetes, 1974)
046. LE LOCATAIRE (Roman Polanski, 1976)
047. L'ÉDEN ET APRÈS (Alain Robbe-Grillet, 1970)
048. NECO Z ALENKY (Jan Svankmajer, 1988 )
049. CASINO (Martin Scorsese, 1995)
050. ALTERED STATES (Ken Russell, 1980)
051. AGUIRRE, DER ZORN GOTTES (Werner Herzog, 1972)
052. SANTA SANGRE (Alejandro Jodorowsky, 1989)
053. L'ÉTRANGE COULEUR DES LARMES DE TON CORPS (Hélène Cattet/Bruno Forzani, 2013)
054. THEMROC (Claude Faraldo, 1973)
055. TAXIDERMIA (György Pálfi, 2006)
056. LUCIFER RISING (Kenneth Anger, 1972)
057. ARREBATO (Iván Zulueta, 1979)
058. STROSZEK (Werner Herzog, 1977)
059. PHANTASM (Don Coscarelli, 1979)
060. LE CHARME DISCRET DE LA BOURGEOISIE (Luis Bunuel, 1972)
061. GOODFELLAS (Martin Scorsese, 1990)
062. A ZED & TWO NOUGHTS (Peter Greenaway, 1985)
063. JACOB'S LADDER (Adrian Lyne, 1990)
064. BAD BOY BUBBY (Rolf de Heer, 1993)
065. VIVA LA MUERTE (Fernando Arrabal, 1971)
066. LE FANTÔME DE LA LIBERTÉ (Luis Bunuel, 1974)
067. AUCH ZWERGE HABEN KLEIN ANGEFANGEN (Werner Herzog, 1970)
068. ANGST (Gerald Kargl, 1983)
069. UNA LUCERTOLA CON LA PELLE DI DONNA (Lucio Fulci, 1971)
070. ANTICHRIST (Lars von Trier, 2009)
071. VISITOR Q (Takashi Miike, 2001)
072. ZERKALO (Andrej Tarkowskij, 1975)
073. AMER (Hélène Cattet/Bruno Forzani, 2009)
074. NON SI DEVE PROFANARE IL SONNO DEI MORTI (Jorge Grau, 1974)
075. DET SJUNDE INSEGLET (Ingmar Bergman, 1957)
076. LA DECIMA VITTIMA (Elio Petri, 1965)
077. DAY OF THE DEAD (George A. Romero, 1985)
078. J'IRAI COMME UN CHEVAL FOU (Fernando Arrabal, 1973)
079. MONTY PYTHON'S THE MEANING OF LIFE (Terry Jones/Terry Gilliam, 1983)
080. SRPSKI FILM (Srdjan Spasojevic, 2010)
081. THE MANSON FAMILY (Jim Van Bebber, 1997)
082. VALHALLA RISING (Nicolas Winding Refn, 2009)
083. A FIELD IN ENGLAND (Ben Wheatley, 2013)
084. TRUDNO BYT BOGOM (Aleksey German, 2013)
085. BRAZIL (Terry Gilliam, 1985)
086. VALERIE A TÝDEN DIVU (Jaromil Jires, 1970)
087. IDI I SMOTRI (Elem Klimov, 1985)
088. FEAR AND LOATHING IN LAS VEGAS (Terry Gilliam, 1998 )
089. KILLER KLOWNS FROM OUTER SPACE (Stephen Chiodo, 1988 )
090. BLEEDER (Nicolas Winding Refn, 1999)
091. HENRY - PORTRAIT OF A SERIAL KILLER (John McNaughton, 1986)
092. CORALINE (Henry Selick, 2009)
093. BEYOND THE BLACK RAINBOW (Panos Cosmatos, 2010)
094. ONLY LOVERS LEFT ALIVE (Jim Jarmusch, 2013)
095. MONTY PYTHON'S LIFE OF BRIAN (Terry Jones, 1979)
096. PAN'S LABYRINTH (Guillermo del Toro, 2006)
097. DAS GESPENST (Herbert Achternbusch, 1982)
098. SWEET MOVIE (Dusan Makavejev, 1974)
099. KILL LIST (Ben Wheatley, 2011)
100. FUNNY GAMES (Michael Haneke, 1997)

101. OFFICE SPACE (Mike Judge, 1999)
102. DEAD MAN'S SHOES (Shane Meadows, 2004)
103. HUNDSTAGE (Ulrich Seidl, 2001)
104. TRAIN DE VIE (Radu Mihaileanu, 1998 )
105. DAS MILLIONENSPIEL (Tom Toelle, 1970)
106. TIME BANDITS (Terry Gilliam, 1981)
107. JOSHÛ SASORI: DAI-41 ZAKKYO-BÔ (Shun'ya Itô, 1972)
108. ASSAULT ON PRECINCT 13 (John Carpenter, 1976)
109. BAD LIEUTENANT (Abel Ferrara, 1992)
110. WORKINGMAN'S DEATH (Michael Glawogger, 2005)
111. JAGDSZENEN AUS NIEDERBAYERN (Peter Fleischmann, 1969)
112. MARTYRS (Pascal Laugier, 2008 )
113. BENEATH THE VALLEY OF THE ULTRA-VIXENS (Russ Meyer, 1979)
114. KING OF NEW YORK (Abel Ferrara, 1990)
115. STRAW DOGS (Sam Peckinpah, 1971)
116. THIS IS SPINAL TAP (Rob Reiner, 1984)
117. BRAINDEAD (Peter Jackson, 1992)
118. PINK FLOYD: THE WALL (Alan Parker, 1982)

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interessante Liste (vor allem wirklich etliches dabei, was nicht zu den "üblichen Verdächtigen" auf derartigen Listen gehört), habe ich mal kopiert und werde sicher etliche der mir bisher nicht bekannten beizeiten schauen. insofern danke ;)

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Vielleicht kennst du mehr als du denkst, ich versuchte mich an die Originaltitel zu halten. ;)

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Captain Fantastic

USA, 2016

Inhalt laut ofdb.de: "Ben Cash (Viggo Mortensen) und seine sechs Kinder leben in einer Hütte im Wald. Das Sextett wird nur von dem Vater unterrichtet. Doch dann erreicht sie die Nachricht, dass ihre Mutter verstorben ist. Ben, der nach dem Prinzip lebt, seine Kinder nicht anzulügen, erzählt ihnen, dass seine Frau sich die Pulsadern aufgeschnitten hat. Bei der Beerdigung ist Ben nicht willkommen, dies macht sein Schwiegervater ihm unmissverständlich deutlich. Doch auf Drängen der Kinder macht sich Ben mit seinen Schützlingen auf den Weg. Und dabei prallen im wahrsten Sinne Welten aufeinander."

Auch die Langsameren unter den Zuschauern schärfen ihren Blick für den Hurrapatriotismus mancher Filmproduktionen der USA. Es gehört als durchschnittlicher Filmfan fast schon zum guten Ton, zu erwähnen, mit dem Pathos und Flaggengeschwenke nichts anfangen zu können. Meist bricht sich hier keine Filmkritik Bahn, sondern anti-amerikanische Ressentiments, die von außen an das Kino herangetragen werden. Coca-Cola-Imperialismus und die Schergen der Micky Maus geben freilich ein hervorragendes Ziel ab, trotzdem scheint es weiterhin ein Problem zu sein, den Elefanten im Porzellanladen anzuvisieren und auszuschalten, selbst wenn Mutter Vorsicht gerade außer Haus (und damit nicht in rettender Reichweite der Porzellankiste) weilt. Falls dies irgendwann gelingen sollte, muss man sich in Hollywood keine grauen Haare wachsen lassen, denn es existiert noch ein perfideres Mittel der Diskreditierung alternativer Lebensentwürfe als der große vaterländische Kampf: Die Umarmung des Gegners - wahlweise in Strangulation oder mit einem Messer im Rücken endend.
So geriert sich "Captain Fantastic", Regiezweitling des Schauspielers Matt Ross, im deutschen Zusatztitel "Einmal Wildnis und zurück" schon die Pointe vorwegnehmend, zunächst als Portrait vom Familienleben fern der Mehrheitsgesellschaft. Viggo Mortensen als Vater Ben lehrt seine Kinderschar das Überleben abseits industrieller Abhängigkeiten, im Einklang mit der Natur. Neben dem archaisch anmutenden Survivaltraining (inklusive dem offenbar unverzichtbaren Mannbarkeitsritual, mit dem der Film eröffnet) steckt er viel Zeit und Energie in die akademische Bildung seiner Nachkommen, es bleibt aber auch Muße, um sich künstlerisch zu betätigen. Hier setzt Regisseur Ross schon die ersten Nadelstiche, wenn er noch recht subtil ausstellt, wie die Familie von Waren der kapitalistischen Gesellschaft abhängig ist, z.B. durch Nutzung hochmoderner Jagdmesser, die sie mit ihren Möglichkeiten auf keinen Fall herstellen könnte. Auch das Betreiben eines Busses (und damit dem Verbrauch von Benzin, großindustriell verarbeitetem Öl) zu Transportzwecken stellt das Selbstverständnis autarker Lebensweise der Familie in Frage.
Immer weitere Zweifel werden gestreut, schließlich in Beziehungsfragen kulminierend, die oft den "Höhepunkt" eines Hollywoodfilms bilden: Der Vater wird durch das Aufbegehren der Söhne und den Selbstmord seiner psychisch erkrankten Frau in Frage gestellt. Eine plumpe Manipulation des Publikums, der Versuch durch emotionale Geiselnahme einen Vorteil zu erringen, die jeder denkende Zuschauer nur als Affront wahrnehmen kann. Verwehrt Ben Kindern und Frau die Teilhabe an der Mehrheitsgesellschaft, verwehrt er ihnen damit auch ihr Lebensglück, behaupten die Standardautoren (das Drehbuch stammt ebenfalls aus der Feder von Matt Ross), für die Lebensglück natürlich deckungsleich mit Liebesglück ist. Zumal Ben eigentlich einen vorbildlichen Umgang mit seinen Kindern pflegt: Er nimmt sie ernst und versucht nach bestem Wissen und Gewissen mit ihren Fragen und Problemen umzugehen, auch wenn ihm dies nicht immer ganz leicht fällt. Diese Szenen sind die Höhepunkte des Films, getragen vor allem durch Viggo Mortensens Spiel, der mit nur wenigen Gesten und Blicken eine präzise Zeichnung des inneren Hin und Hers anfertigt. Wie Ben sich immer für die "Wahrheit" und gegen Moral entscheidet, könnte ein Grund sein, sich "Captain Fantastic" anzuschauen.
Eigentlich müsste man davon ausgehen können, Hollywoodproduktionen (dank Unmengen an Geld, Fachkräften und kleinteiligster Spezialisierung) in handwerklicher Hinsicht mindestens im gehobenen Mittelmaß ansiedeln zu können, die Kinokatastrophen der letzten Jahre und das eher geringe Budget von "Captain Fantastic" lassen mich jedoch ausdrücklich betonen, dass der Film ansprechend gestaltet, fotografiert und geschnitten wurde. Die Musikauswahl passt, die Dialoge sitzen und auch die Darsteller überzeugen. Einzig die immer wieder aufblitzende, aber bis fast zum Schluss mehr schlecht als recht im Schrank versteckte Ideologiewalze mindert das Vergnügen an "Captain Fantastic" erheblich. Es gab selten einen deprimierenderen Schluss im zeitgenössischen Film: Wie Bens Kinder freudig vor ihren verzuckerten Weizenzerealien sitzen und sich darüber freuen, den Schulbus nehmen zu können, hat etwas von lobotomisierter Seligkeit, wie sie selbt die breite Masse abstoßen müsste. Ganz zu schweigen von Bens Gang nach Canossa, Buße tuend für seine Ideale, ja, für sein ganzes Leben! Ein reuiger Sünder, der ein Einsehen hat und den Rest der Gesellschaft über das Glück seiner Kinder entscheiden lässt.
Versteht mich nicht falsch: Ich habe eher wenig Sympathien für das Selbstversorger-Waldläufertum, das hier skizziert wird, vor allem in Zeiten, in denen eine Partei wie Die Grünen ihr wahres Gesicht zeigt und sich als FDP mit Thoreau-Psychose entpuppt. Das ist der kleine Traum vom wilden Schrebergarten einiger Besserverdiener. Umso mehr fuchst mich aber, wenn Bens Familie im Film (wahrscheinlich zu weiteren Diskreditierungszwecken) von sich selbst als Marxisten spricht. Jetzt stehen wir endlich an der Schwelle zur endgültigen Automatisierung der meisten ätzenden Arbeiten und ihr wollt zurück in die Steinzeit? Zu Ackerbau und Viehzucht oder noch eher zum Jagen und Sammeln? Welche Art Marxist soll das bitte sein?
"Captain Fantastic" scheitert vor allem an seinem hässlichen Anspruch auf die durch Konformität behauptete Realität und die hinterfotzige Anscheißerei alternativer Lebensweisen, die auch noch verkürzt und ideologisch falsch verortet dargestellt werden. Zur Unterhaltung bestens geeignet, solange man sein Gehirn am Eingang abgibt. Stick it to the man! (Ja, Matt Ross, du bist gemeint.) 5/10

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23.08.2018 08:42 Bella Ciao ist offline E-Mail an Bella Ciao senden Beiträge von Bella Ciao suchen Nehmen Sie Bella Ciao in Ihre Freundesliste auf
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gestern das erste Mal "King of New York" gesehen (eigentlich insofern komisch, weil ich Abel Ferraras "The Addiction" ziemlich großartig fand - wobei ich mir den ehrlich gesagt auch das letzte Mal vor über zehn Jahren angeschaut habe). im Grunde wußte ich wenig über den Film, abseits von "ein "Gangsterfilm" von Abel Ferrara mit Christopher Walken", war dementsprechend von dem cast überrascht (von dem Gewaltanteil ehrlich gesagt weniger. wenn überhaupt dann von der doch recht vielen nackten Haut).

hat mir dann auch ziemlich gut gefallen, gerade auch diesen interessanten Blick von damals, der New York schon als ziemlichen Moloch darstellt (so wie es ja (vermeintlich?) durch den Veränderungen der Neunziger in großen Teilen nicht mehr sein soll).


ebenfalls in den letzten Tagen habe ich mir Sofia Coppolas "Somewhere" gegeben. leider war dieser Film eine leichte Enttäuschung. von den drei anderen mir bisher bekannten Filmen von ihr, "The Virgin Suicides", "Lost in Translation" und "The Bling Ring", fand ich die ersten beiden super und den dritten immerhin ziemlich gut (auch wenn mich da das Besetzen einer Rolle mit Emma Watson gestört hat, weil diese durch ihren "superstar status" für mich negativ herausgestochen ist und für mich dadurch zu sehr an der "Illusion" gekratzt hat).

ich kann mir vorstellen, daß die Kritik von "Otto Normalkinogänger" an "Somewhere" vor allen ist, daß "da gar nichts passiert". aber das finde ich gar nicht so entscheidend. in "Lost in Translation" "passiert" ja auch nicht viel.

aber "Somewhere" hat es für meinen Geschmack an wunderbaren einzelnen Momenten/Dialogen oder einfach "ästhetischen" Merkmalen gemangelt, um ihn wirklich besonders zu machen.

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Abel Ferraras Filme sind (soweit ich sie kenne) alle großartig, je nach eigener Stimmungslage kann die Wirkung aber variieren. Bei "King of New York" sticht der große Entertainmentfaktor heraus, der manchmal die stillen, sehr schön fotografierten Bilder überstrahlt - auch durch die Gewaltexzesse. Weil er sich mit den runtergekommenen Seiten von New York beschäftigt, übersieht man leicht die filigran komponierten Einstellungen, die man einem Rauhbein wie Ferrara auf den ersten Blick gar nicht zugestehen will. Das zieht sich seit Beginn seiner Karriere durch seine Filme und ist schon in "The Driller Killer" deutlich angelegt.
Auf schauspielerischer Ebene erfreut mich die Diskrepanz zwischen den Rollen Laurence Fishburnes hier und in "Boyz N The Hood". Dem moralinsauren, neunmalklugen Furious steht ein skrupelloser Killer gegenüber; wo John Singleton ein Lehrstück für Heranwachsende inszeniert, gibt sich Ferrara keinen Illusionen hin. (Dies wird auch wunderbar in "Don't Be a Menace to South Central While Drinking Your Juice in the Hood" von Regisseur Paris Barclay persifliert. "Message!")
"King of New York" erfreut sich in HipHop-Kreisen, vor allem in den USA, einer Bekannt- und Beliebtheit, die wohl auf Biggie und seine Nutzung des Synonyms "Frank White" zurückzuführen sein muss. Ansonsten bietet der Film für afro-amerikanische Jugendliche doch kaum Identifikationsfläche, viel weniger als z.B. "Scarface", sind die Schwarzen im Film doch durchgehend Zuarbeiter, kleine Fische.
Gestern gab es übrigens eine Meldung, dass New York sein erstes Wochenende ohne Schießereien seit 1993 erlebte. Möglicherweise ein statistischer Zufall - oder doch Beweis für die Veränderungen in der Stadt? Die gefährlichen Zeiten in den 70ern und 80ern waren jedoch auch zu Beginn der 90er schon Geschichte.

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hattest du in "It's Always Sunny..." eigentlich mal reingeschaut?

(komme darauf, weil ich gerade die aktuellste Episode gesehen habe)

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Nein, als TV-Serie habe ich gerade die Sopranos am Wickel. Vorgestern Season 5 begonnen. Mal sehen, ob das Niveau bis zum Ende gehalten werden kann. Es wäre die erste Serie, der ich zugestehen würde, auf Filmniveau stattzufinden. (Und ich hoffe immer noch, dass Tony seine wahre Berufung findet und Tierpfleger wird. heart )

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